Zeitung Heute : Vollmond: Bio-Rhythmus: Wie die innere Uhr gestellt wird

Der Mensch erlebt einen steten Wechsel zwischen Tag und Nacht. Seine Umwelt verändert sich periodisch in einem Rhythmus von 24 Stunden. Damit der Organismus effektiv arbeiten kann, schwanken alle wichtigen Körperfunktionen tagesrhythmisch und passen sich so den unterschiedlichen Anforderungen an. Die Körpertemperatur fällt beispielsweise in der Nacht ab und steigt in den frühen Morgenstunden, bereits vor dem Aufwachen, wieder an. Der Körper steuert diese Prozesse mit Hilfe einer inneren Uhr. Dieses menschliche Uhrwerk ermöglicht es, dass auch bei Menschen, die eine Zeit lang unter konstanten Bedingungen im Labor, ohne natürliches Licht gelebt haben, die Stoffwechselvorgänge tagesrhythmisch weiter schwingen. Allerdings tickt die innere Uhr nicht ganz richtig; die Periodenlänge beträgt fast 25 Stunden. Erst durch äußere Zeitgeber wird die innere Uhr auf die Tageslänge von 24 Stunden geeicht.

Wichtigster Faktor für die Synchronisation der inneren Tagesuhr mit den Umweltbedingungen ist das Licht. Über eine zentrale Stelle im Gehirn werden die Körperfunktionen und der äußere Tagesablauf synchronisiert. Beim Menschen handelt es sich dabei um einen reiskorngroßen Verband von Nervenzellen, den so genannten suprachiasmatischen Nucleus (SCN). Er liegt direkt über der Kreuzung der beiden Sehnerven und stellt das übergeordnete Uhrwerk dar.

Bisher gingen die Chronobiologen davon aus, dass Licht als Zeitgeber erst ab einer relativ hohen Intensität von über 1000 lux wirksam wird. Neuere Untersuchungen zei-gen jedoch, dass der Mensch wesentlich lichtempfindlicher ist als bisher angenommen. Diane Boivin wies an der Harvard Medical School in Massachusetts nach, dass auch Licht mit einer Intensität von weniger als 180 lux als Zeitgeber fungiert. Die Wissenschaftler schließen daher nicht mehr aus, dass auch das Vollmondlicht mit einer Lichtstärke von etwa 0,2 lux als externer Schrittmacher wirken kann. Es wäre daher möglich, dass unser Organismus neben dem Tag-Nacht-Rhythmus auch einen Mondrhythmus aufweist. Die Chronobiologen sind sich allerdings einig: Wenn überhaupt, dann spielt dieser heute nur noch eine untergeordnete Rolle, da unsere Umwelt auch durch elektrisches Licht erheblich verschmutzt ist.

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