Zeitung Heute : Vom Baselman zum Handkuss

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Der Ursprung des Handkusses liegt dort, wo fast alles Kultivierte auf diesem Kontinent seinen Anfang nahm: im arabischen Andalusien des 10. Jahrhunderts. Als der Restkontinent noch in Burgen fror und aus dem Fenster urinierte, blühte unter den Mauren die höfische Kultur, und aus der poetischen Überhöhung der Frau erwuchs auch eine Form des Handkusses. Zu dieser Zeit himmelte auch der christliche Ritter die Damen schon an. Seine gesamte Existenz stellte er in ihren Dienst und ging vor der Erwählten auch regelmäßig in die Knie – jedoch noch ohne den Körperkontakt zu wagen. Der Grund dürfte die Hand der Dame und der Mund des Ritters gewesen sein: Hygienefragen waren noch ungelöst, und die Hände der Edelfrau mögen kräftig nach Wildbret gerochen haben. Besteck war damals bei Hofe noch verpönt. Nicht zufällig geht der Aufstieg des Handkusses mit dem Aufstieg der Gabel einher.

Ab dem 16. Jahrhundert, die Mauren waren vertrieben, ihre Kultur geblieben, war der Handkuss die übliche Form der Begrüßung am Spanischen Hofe und Herrscher wie Herrscherin gleichermaßen zu erbringen (Schiller, Don Carlos. 1.1: Ich stand dabei, als in Toledos Mauern, der stolze Karl die Huldigung empfing, als Fürsten sich zu seinem Handkuss drängten). Aufgrund seiner spanischen Wurzeln – „beso las manos“ – wurde der Handkuss im Deutschland des 17. Jahrhunderts auch „Baselman“ genannt und gehörte zunächst nur in die adelige Etikette. Nach einem zeitgenössischen Benimmbuch war der Ablauf so, „daß man die Hand etwa auf die helffte zum munde, und von da wider herunter führet, und daß zugleich die neigung des haupts der hand begegnet“. Ab dem 18. Jahrhundert drang der Handkuss dann auch ins Bürgertum vor. Zunehmend bestimmend wurde dabei die Frau: Sie entschied, wem und wann sie die Gunst gewährte. Im etikettfreudigen Österreich und in Polen ist der Handkuss bis heute Teil der Begrüßungskultur, ansonsten findet er allenfalls als ironisches Zitat seinen Platz im Geschlechterleben. eile

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