Zeitung Heute : Vom Erdboden verschluckt

Hässliche Mülltonnen lassen sich leicht im Boden versenken.

Die Deutschen lieben es, den Müll zu trennen. Und so steht neben der schwarzen vielleicht auch noch eine grüne, gelbe und blaue Tonne im Hof. Doch das sieht einfach nicht gut aus – leuchtende Farben hin oder her. Und Mülltonnen stinken. Systeme mit unterirdisch gelagerten Behältern können eine Lösung sein.

Auf dem Grundstück sei der Bau solcher Anlagen genehmigungsfrei, erläutert Klaus Ergenzinger vom Hersteller Trafik up in Düsseldorf.

Bei dessen System „Subsafe“ lagern bis zu vier Mülltonnen in einem Kunststoffbehälter im Boden. „Die integrierte elektrische Hebevorrichtung öffnet automatisch den Deckel, befördert die Tonnen in acht Sekunden mittels Fernsteuerung oder Wandschalter auf Erdniveau und lässt sie genauso schnell wieder in der Versenkung verschwinden“, erklärt Ergenzinger. Der Lift lasse sich stufenlos stoppen, so dass auch Rollstuhlfahrer oder Kinder die Tonnen problemlos füllen können.

Ein ähnliches System bietet die Firma Wallraven aus Wassenberg (Nordrhein-Westfalen) an. Auch hier befördert das für zwei bis vier Tonnen erhältliche System „Suterra“ per Lift die Tonnen in den Boden. „Geruchsbelästigungen durch Rest- oder Biomüll werden auf diese Weise ins Erdreich verbannt“, sagt Thomas Esser von Wallraven. Ein Vorteil des Systems sei auch, dass feuchter Abfall im Winter nicht mehr in der Tonne anfriert, da das Erdreich unterhalb von 80 Zentimetern Tiefe meist frostfrei ist. Schnee und Eis sollen dem System laut Esser nichts anhaben können. Es funktioniere weitgehend wartungsfrei.

Aber es braucht – wie alle Anlagen – einen elektrischen Anschluss ans Stromnetz.

„Der Deckel von ,Suterra’ ist aus Aluminium-Riffelblech und begehbar“, erklärt Esser. Dadurch könne sich die Anlage auch unter einem Gehweg befinden. Hausbesitzer, die die alugraue Farbe des Deckels stört, können ihn vom Hersteller lackieren lassen – etwa in Grün oder Sandfarben. Dadurch passe sich der Deckel der Umgebung an. Dank Pulverbeschichtung sei die Farbe strapazierfähig.

Die Firma Bovega aus Olfen (Nordrhein-Westfalen) hat die Tarnung für ihre versenkbare Mülltonnenanlage noch weiter verfeinert: Der runde Kunststoffdeckel mit 1,6 Metern Durchmesser lässt sich als Blumenbeet, Steingarten, Sitzecke oder als Wasserspiel gestalten.

Sollen die Tonnen gefüllt oder geleert werden, fährt die Anlage samt Blumenbeet darüber in dreißig Sekunden nach oben. Nach dem Schließen ist nur der gestaltete Deckel zu sehen.

Ein Wermutstropfen bei versenkbaren Müllsystemen sind die Kosten: Je nach System sind 3500 bis 6000 Euro zu veranschlagen. Hinzu kommen die notwendigen Erdarbeiten und Anschlussarbeiten durch den Landschaftsgärtner. Esser rechnet hierfür zusätzlich rund 1500 Euro. Eine kostengünstigere Alternative gibt es – aber die ist sichtbar.

„Damit die Abfallbehälter optisch nicht stören, kommen sie dann meist in eine Box“, sagt Wolfgang Groß vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau in Bad Honnef bei Bonn. Diese Boxen können passend zum Stil des Gartens aus Holz, Metall oder Beton sein. Optisch gelungen ist zum Beispiel die Bremer Mülltonnenbox. Die Behältnisse – wahlweise für ein oder zwei Tonnen zu haben – werden in einer der ältesten und größten Werkstätten für Menschen mit Behinderungen gebaut, dem Martinshof (www.werkstatt-bremen.de). Kostenpunkt: ab 159 Euro. Oft bietet es sich auch an, diese oder andere Müllboxen mit immergrünen Kletterpflanzen zu tarnen. Hinter einer bepflanzten Pergola oder auf einem von Hecken oder Sträuchern eingezäunten Standort verschwinden auch die normalen Mülltonnen. Diese Plätze sind am besten gepflastert.

Aber nicht nur Hausbesitzer haben ein Problem mit den Mülltonnen. „In vielen alten Mehrfamilienhäusern lassen sich Stellplätze für Abfallgefäße nicht einrichten“, sagt Reinhard Fiedler von der Stadtreinigung Hamburg. Daher gibt es etwa in der Elbmetropole, aber auch in Berlin sogenannte Unterflursysteme. Die unterirdischen Gefäße für Hausmüll fassen bis zu fünf Kubikmeter Abfälle. Sichtbar sei nur eine 70 Zentimeter hohe Säule mit einem Loch zum Einwerfen. dpa/Tsp

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