Zeitung Heute : Vom Existenzgründer zum Vorzeige-Unternehmer - Tipps für Wagemutige

Regina-C. Henkel

Alexander Samwer fährt mit dem Fahrrad ins Büro, verdient sein Geld mit Internet-Geschäften und lebt von einer Umsatz-Provision zwischen einem und drei Prozent. Ein ganz normaler 24-jähriger Jung-Unternehmer aus Berlin. Aber nur auf den ersten Blick. Alexander Samwer ist der wohl jüngste Selfmade-Millionär Deutschlands. Gemeinsam mit zwei Brüdern und drei Freunden hat er das Internet-Auktionshaus Alando gegründet und wenig später im Aktientausch an das amerikanische Unternehmen ebay verkauft. Für den Global Player fungiert der Oxford-Absolvent nun als Deutschland-Chef. Das kann Samwer gut. Bei den internationalen Auktionsgeschäften kommt ihm zu Gute, dass er fünf Sprachen beherrscht. Als Workaholic macht es ihm nichts aus, von acht bis 22 Uhr zu arbeiten. Paulus Neef dagegen ist nur noch selten mit einem Fahrrad unterwegs. Ansonsten gibt es aber auffällig viele Parallelen zwischen ihm und Samwer.

Auch Neef hat sich als relativ junger Mann selbstständig gemacht. Es war 1991, als der heute 39-jährige die Pixelpark AG gründete.. Auch Neef lässt sich sein Essen meist ins Büro bringen, wo er oft von früh um 7 Uhr bis Mitternacht anzutreffen ist. Auch er verfügt über ein ansehnliches Aktienpaket, das bereits zum Börsenstart rund hundert Millionen Mark wert war, und er sieht gleichfalls "die Mitarbeiter als den wichtigsten Rohstoff für das Wachstum" seines Unternehmens an. Neef hat es "mit einem Freund und zwei Computern in einem Berliner Gartenhaus" gegründet. Die meisten Mitarbeiter sind 30 Jahre und jünger, bei ebay liegt der Altersschnitt bei 25.

Samwer und Neef - zwei Vorzeigebeispiele für erfolgreiche Existenzgründer. Jung, hoch qualifiziert und extrem motiviert. Und begeisterungsfähig sowieso. Erst überzeugten sie die Banken und andere Geldgeber von ihrer Vision und von ihrem Können, dann eine immer größere werdende Zahl von Mitarbeitern und last but not least auch noch die Kunden und Aktionäre.

Der Normalfall sieht oft ganz anders aus. Von der Idee über die Finanzierung bis hin zu auch nur halbwegs ertragsreichen Aussichten einer Existenzgründung ist es ein weiter und oft auch beschwerlicher Weg.

Als vorbereitender Schritt bietet sich ein Literatur-Studium an. Das kann nie schaden. Das Angebot ist groß, die Qualität reicht von A (arg schlecht) bis Z (zu anspruchsvoll). Konsequentes Zeitung- und Fach-Zeitschriftenlesen ist sowieso unverzichtbar, genauso die regelmäßige Recherche im Internet. Wer nicht weiß, was sich in der eigenen Stadt oder Region abspielt, wer sich nicht darüber informiert, wer mit welchen Geschäftsideen wo auf der Welt reich geworden ist - oder eine schmerzhafte Bruchlandung hingelegt hat, stellt sich selbst ins Abseits. Und wer sich nicht über den Geldmarkt, über die Produkt- und Dienstleistungsentwicklungen sowie über die Neuigkeiten der lokalen und überregionalen Entscheider-High-Society auf dem Laufenden hält, macht seine Hausaufgaben nicht. Das wird in der Regel teuer. Ein Konkurs brandmarkt einen Unternehmer hierzulande meist fürs Leben.

So weit muss es aber nicht wirklich kommen. Fest steht: Dass heute fast jeder zehnte Erwerbstätige sein eigener Chef ist, ist - im wahrsten Sinne des Wortes - vor allem das Verdienst der Finanzdienstleister-Branche. Diese berät Existenzgründer und solche, die es werden wollen, mit immer ausgefeilteren Instrumenten und mit immer besser qualifiziertem Personal . Allerdings: Nicht nur Existenzgründungen, sondern auch Konkurse sind ein Riesengeschäft. Die Hermes-Kreditversicherungs AG erwartet für 1999 wieder 27 800 Firmenzusammenbrüche.

Es wird gegengesteuert. Vor allem die Finanzinstitute zeigen Flagge. Der Gründungswettbewerb "Start up", für das Unterlagen bei den Landesverwaltungen für Wirtschaft, bei den Kammern, bei Bürgschaftsbanken, der Deutschen Ausgleichsbank, der Kreditanstalt für Wiederaufbau (Frankfurt a.M.), bei Existenz-Gründer-Instituten sowie bei den Sparkassen erhältlich sind, ist eins der Instrumente, die beim Start in die Selbstständigkeit manifest Hilfestellung geben. Bei den beteiligten Stellen ist eine 40-seitige "Checkliste für Existenzgründer" mit hervorragendem Stichwortverzeichnis und umfangreichem Adressenteil erhältlich.

Außerdem ist da der alljährliche "Business Plan-Wettbewerb", für den sich Hochschulen, Kapitalgeber, Unternehmen und öffentliche wie private Anbieter von Förderleistungen zu einem "Kompetenznetzwerk" zusammen geschlossen haben. Wer sich an dem Wettbewerb mit bis zu 20 000 Mark dotierten Preisen nicht beteiligen will, kann schon von der Lektüre der Teilnahmebedingungen (Handbuch plus Diskette) profitieren. Von der Auswertung zurückliegender Regionalausscheidungen sowieso.

Ein Besuch von Existenzgründerseminaren bei Kammern oder privaten Anbietern ist unerläßlich. Wer meint, sich die paar Mark und Stunden sparen zu können, sollte sein Glück eher nicht in der beruflichen Selbstständigkeit suchen. Investitionsbereitschaft ist das A und O eines Unternehmers - sowohl finanziell als auch zeitlich.

Und übrigens: Alexander Samwer, seine beiden Brüder Marc und Oliver sowie seine drei Freunde Karel Dörner, Max Finger und Jörg Rheinboldt sitzen inzwischen im Vorstand von ebay Deutschland. Das Gründer-Sextett hat die Internet-Goldgrube Alando im Aktientausch an das amerikanische Unternehmen Ebay verkauft. Dessen Aktien sind mit 16,6 Milliarden Dollar mehr Wert als die Börsenpapiere von Lufthansa und Thyssen-Krupp zusammen. Auch Paulus Neef scheint Analysten und Investoren überzeugt zu haben. Der Kurs der Pixelpark Aktie ist seit dem Börsenstart permanent gestiegen. Auch die rund 360 Mitarbeiter stehen hinter dem 39-Jährigen. Fast alle haben Mitarbeiteraktien und Stock-Options -und sind damit am Geschäftserfolg des Unternehmers beteiligt.

Hinweis: Vom Arbeitsamt geförderte Kurse sind für Arbeitslose kostenlos, sofern die Bewerber bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Über die Vermittlung entscheiden die Sachbearbeiter bei den Ämtern.

Gründerseminare. Über die Chancen und Risiken der Existenzgründung will eine dreitägige Schulungsveranstaltung "Existenzgründer / innen" informieren, die am 19. November in Schöneberg beginnt. Anmeldung beim Verein "Förderung beruflicher Perspektiven" unter Tel. 771 97 37. Teilnahmebeitrag: 98 Mark. Ein insgesamt 18-stündiges Kompaktseminar für angehende Kleinunternehmer und Freiberufler beginnt am 3. Dezember beim Verein Wirtschaft und Bildung (Tel. 61 40 19 93). Die Teilnahme an dem Seminar kostet 149 Mark.

Fit in der Sozialberatung. Existenzgründungswillige sowie Mitarbeiter und Partner von sozialen Einrichtungen sind Zielgruppe einer Weiterbildung "Rechtliche Grundlagen der Sozialberatung", die vom Forum Berufsbildung (Tel. 259 00 8 - 0) angeboten wird. Der sechsmonatige Kurs mit zweimal wöchentlich Unterricht ist als Bildungsurlaubsveranstaltung anerkannt.

Multimedia 2000. Eine Multimedia-Präsentation vorzubereiten, ist die Aufgabenstellung des bundesweiten Schülerwettbewerbs "Join Multimedia 2000", zu dem die Siemens AG (Tel. 089 / 78 58 28 65, E-mail: joinmm@Tel.-online.de , Infos im Internet: www.siemens.de/joinmm ) zum vierten Mal einlädt. Software und Themen kommen von Siemens, Anmeldeschluss für Teilnehmer ab der 7. Klasse ist der 30. November.

Aufstieg mit Veranstaltungstechnik. Das Brandenburger Technologietransfer- und Weiterbildungszentrum an der Technischen Fachhochschule Wildau feiert sich am 18. November mit einem Symposium als Wegbereiter in Sachen Veranstaltungstechnik. Doch nicht nur der Rückblick auf fünf Jahre Fortbildung zum Meister für Veranstaltungstechnik steht ab 17 Uhr auf dem Programm. Zahlreiche Fachvorträge über die Einsatzmöglichkeiten und Aufstiegschancen sind vorgesehen. Informationen unter: Tel. 0 33 75 / 508 - 302.

Absolventen-Kongress. Über 10 000 examensnahe Stundenten und Hochschulabsolventen werden auf dem 11. Deutschen Alsoventen-Kongress am 24. und 25. November in Köln erwartet. Etwa 400 Unternehmen suchen auf der Mega-Veranstaltung Führungsnachwuchskäfte. Nähere Infos unter Tel. 075 31 - 9 82 50, Fax 075 31 / 98 25 55.

Chat zur Job-Suche. Der neue Internet-Server www.jabadu.de will erfolgreiche Hochschulabsolventen aller Disziplinen und Unternehmen zusammenbringen. Herzstück des Angebots ist nach Angaben des Anbieters TMP Fossler (Tel. 06 11 / 7 44 33 - 0) ein Chatroom und ein Messageboard. Personalexperten von ABB über Andersen Consulting bis Volkswagen stünden Rede und Antwort, heißt es. Außerdem werde auch ein regelmäßiger Newsletter angeboten.

Auszeit ohne Karriere-Knick. Das Thema "Sabbatical" bildet den Auftakt eines neuen Service-Angebots von www.jobline.de . In der Rubrik "Zukunft & Trends" des Online-Stellenmarkts werden ab sofort regelmäßig Themen für qualifizierte Fach- und Führungskräfte aufgegriffen und vertiefend für die Netz-Surfer dargestellt.

Tipps für Frauen. Mangelndes Selbstwertgefühl, große Bescheidenheit, fehlende Kontakte und die Tendenz, zu schnell ja zu sagen, gehören nach Überzeugung von Kommunikationstrainerin Meike Müller zu den durchaus ausräumbaren Stolpersteinen einer Frauenkarriere. In einem Vortrag am 22. November ab 19.30 Uhr in der Urania will sie vermitteln: "Wie mache ich gute Werbung in eigener Sache".

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar