Zeitung Heute : Vom föderal geprägten zum optimalen Lernen

Rita Nikolai Marcel Helbig
257794_0_8e94168b.jpg
Foto: WBZ / Mike Minehan

Bundeskanzlerin Aysa-Dorothea Özgül-Harnischfeger hat in Tübingen den europäischen Kongress der Bildungsforscher eröffnet. Die Wissenschaftler könnten wesentlich zum Verständnis der für das Lernen entscheidenden Vorgänge beitragen, sagte die Kanzlerin. Wir wüssten heute durch die Weiterentwicklung des Brain Imaging, wie diese Sinnesreize die Synapsenbildung des Gehirns beeinflussen und so die Hirnstruktur formen. Durch die 2030 entwickelten Genschnelltest-Verfahren würden kognitive Potenziale im Menschen erkannt und könnten beeinflusst werden, zum Nutzen der Pädagogik und der individuellen Lernprozesse.

In einer Podiumsdiskussion mit türkischen, isländischen und georgischen Bildungspolitikern plädierte Özgül-Harnischfeger dafür, das vorhandene Wissen über Persönlichkeitsentwicklung in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu verbreiten. Die Erforschung von Bildungsverläufen durch das Nationale Bildungspanel in Deutschland seit 2009 und das Europäische Bildungspanel seit 2028 setzen die Politik unter Druck, die Ergebnisse ernst zu nehmen und daraus politische Konsequenzen zu ziehen.

Dass die Umsetzung selbst im deutschen Fall schwierig ist, bemerkte die Kanzlerin schon vor ihrer Rückreise zurück nach Berlin. In Tübingen demonstrierten Eltern, die eine weitere Föderalismusreform, mittlerweile die 11., forderten. Die Abschaffung der Mehrgliedrigkeit in einigen nord- und ostdeutschen Bundesländern und die dortige Einführung der Gesamtschule habe den Anteil der Hochschulabsolventen auf 80 Prozent pro Jahrgang steigen lassen.

Die Demonstranten aus Süd- und Südwestdeutschland fühlen sich angesichts dieser Entwicklung diskriminiert. Sie sehen sich gezwungen, in die Reformländer umzuziehen, um ihren Kindern optimale Lernbedingungen zu bieten. Denn dort besuchten alle Kinder gemeinsame Lerneinrichtungen vom ersten Lebensjahr an. In ihren Ländern besuchten dagegen Kinder reicher Eltern schon früh teure Privatkindergärten und Schulen; im alten mehrgliedrigen öffentlichen Schulsystem für die übrigen Kinder würden gerade einmal 35 Prozent das Abitur schaffen. Diese Diskriminierung habe nicht nur zum ökonomischen Abstieg dieser Bundesländer geführt, sondern verstoße zudem gegen die Europäische Verfassung.Rita Nikolai und Marcel Helbig

Rita Nikolai und

Marcel Helbig forschen über Bildung und Arbeitsmarkt

(Foto Marcel Helbig: oben, zweiter von rechts)

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben