Zeitung Heute : Vom Geschichtsstudenten zum Tourismus-Botschafter für Berlin

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Wenn Tobias von Schoenebeck in der Spandauer Vorstadt unterwegs ist, schaut er sich viel häufiger um als die üblichen Raser auf zwei Rädern. Schoenebeck ist nämlich nicht allein unterwegs: Vor und hinter ihm radeln Mitglieder des Hamburger Lions Clubs oder Manager von westdeutschen Betrieben, die Berlin mal "ganz anders" erleben wollen. Das bekommen sie von Schoenebeck geboten: Das szenig-historische Tacheles, das urige Sophien-Eck, die private Kunstsammlung Hoffmann. Der Gründer und Chef der "Schoenebeck - Kulturarrangements" (t 691 55 08) will einen authentischen Eindruck von der Stadt vermitteln. Seit drei Jahren veranstaltet er "Spaziergänge durch Mitte", "Fahrrad-Führungen" und "Ausflüge in und um Berlin".

Damit gehört der 35-Jährige zu insgesamt rund 50 000 Berlinern, die ihren Lebensunterhalt in der Tourismusbranche verdienen. Seinen Arbeitsplatz hat er sich selbst geschaffen. Die Vision von "Schoenebeck - Kulturarrangements" entstand 1995. Damals lockte die Reichstagsverhüllung von Christo und Jeanne Claude Millionen Besucher in die Stadt. Der gebürtige Berliner Schoenebeck störte sich daran, "wie lieblos die Leute in Bussen zusammengepfercht durch die Stadt kutschiert wurden". Für den Aufbau einer selbstständigen Existenz als Tourismus-Unternehmer fühlte sich Schoenebeck nach Abschluss seines Geschichts- und Publizistikstudiums aber nicht fit genug: "Die Idee von der Agentur war da, aber sie praktisch umzusetzen, habe ich mir nicht zugetraut. Mir fehlte handfestes kaufmännisches Wissen." Das änderte sich mit dem Besuch der Akademie für Kultur und Bildung (t 275 60 - 206, www.akademie-kbb.de ). An die zwölfmonatige Fortbildung zum "Assistenten für Stadt- und Tourismusmarketing" erinnert er sich gerne: "Die Dozenten waren Praktiker und vermittelten: Es gibt Möglichkeiten, Deine Idee umzusetzen." Die Lehrer behielten recht. Schoenebeck beantragte Überbrückungsgeld, organisierte sich ein Existenzgründungsdarlehen und legte los. Inzwischen beschäftigt er sechs Honorarkräfte. Als wesentliche Erfolgsfaktoren für eine Existenzgründung nennt der patente Stadtführer "Organisations- und Improvisationstalent, gute persönliche Kontakte und ein ständig wachsendes Netzwerk". Ganz gewiss gehört aber auch der individuelle Charme des 36-Jährigen mit dazu. Schoenebeck ist Spross einer pfälzischen Adelsfamilie. Diese Mitgift dürfte sich als vorteilhaft erweisen. Sein Credo: "Bei meinen Führungen geht es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern um das Erfahren von Atmosphäre."

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