Zeitung Heute : Vom Kurierfahrer zum Versicherer

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Es gibt wohl mittlerweile nichts mehr, wofür man nicht eine Versicherung abschließen kann: das Auto, die Wohnzimmereinrichtung, das gesamte Haus und sogar einzelne Körperteile. Formel1-Fahrer Michael Schumacher zum Beispiel hat seine Beine für fünf Millionen Euro versichern lassen. Der Versicherungsmarkt ist abgegrast, könnte man also meinen. Könnte, denn Frank Wojciechowski hat sie endeckt und geschlossen, die Marktlücke im Geschäft mit Versicherungen. Seit Sommer vergangenen Jahres bietet er einen Schutzbrief für Haushaltsgeräte an. Für 21 Euro im Monat kann man bei ihm acht Haushaltsgeräte versichern – von der Waschmaschine über den Kühlschrank bis zum Fernseher. Geht ein Gerät kaputt, garantiert er eine Reparatur binnen drei Tagen, Abholung und Lieferung inklusive. Wie bei einem Handyvertrag gilt der Schutzbrief für zwei Jahre und verlängert sich automatisch um ein weiteres Jahr, wenn nicht gekündigt wird. Fallen in den ersten zwei Jahren keine Reperaturen an, erhält der Versicherte sogar 250 Euro zurück.

Wojciechowski hat 15 Jahre in der Versicherungsbranche gearbeitet, hunderte von Schadensfällen geprüft. Dann ist er vor vier Jahren arbeitslos geworden und hat einen Minijob als Kurierfahrer angenommen. „Mit 51 Jahren ist man auf dem Arbeitsmarkt nicht sonderlich begehrt“, sagt Wojciechowski. Ihm blieben nur zwei Möglichkeiten: Entweder bis zur Rente Botendienste erledigen oder sich selbstständig machen. Er hat sich für letzeres entschieden und eine Ich-AG gegründet. Mittlerweile hat er bereits 150 Kunden in Berlin und Umgebung. Auch wenn die 600 Euro im Monat, mit der die Arbeitsagentur ihn unterstützt, nicht reichen, um überhaupt die Kosten für den Betrieb zu decken: Ohne die Hartz-Reformen würde es Wojciechowskis Unternehmen wohl nicht geben. Denn die bis dahin einzige Fördermöglichkeit, das Überbrückungsgeld, hätte sich für ihn nicht gerechnet. In diesem Fall zahlt die Arbeitsagentur beim Weg in die Selbstständigkeit sechs Monate lang das Arbeitslosengeld weiter. „Als Startkapital hätte das nicht gereicht“, sagt Frank Wojciechowski.

Mehr Informationen: Frank Wojciechowski, 030 / 855 61 97

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