Zeitung Heute : Vom Kursnachbarn zum Koproduzenten

Bei Film und Fernsehen bestimmt Projektarbeit den Berufsalltag. Umso wichtiger sind Weiterbildungen und berufliche Netzwerke

Anke Sprenger

Stetiger Wechsel und immer neue Produktionen sind das tägliche Brot jedes Filmschaffenden. Vom Schauspieler bis zur Maskenbildnerin heißt es nach der letzten Klappe: das nächste Projekt angehen. Um dabei das Know-how auf dem neusten Stand zu halten, sind Fortbildungen unentbehrlich. Lehrgänge und Workshops bieten außerdem die Chance, Netzwerke zu knüpfen – oft die einzige Konstante in der schnelllebigen Branche.

„Gerade im Filmgeschäft sind die Lebenswege häufig von zeitlich begrenzten Projekten geprägt“, weiß Ina Kerkow, die bei der Filmförderungsanstalt (FFA) für filmberufliche Weiterbildung zuständig ist. Einzelpersonen können sich bei der FFA mit bis zu 5000 Euro fördern lassen, Veranstalter von Fortbildungen im Bereich Kinofilm mit bis zu 25 000 Euro. „Wir entscheiden nicht nach starren Richtlinien, sondern schauen uns jeden Einzelfall eingehend an“, sagt Ina Kerkow. Wichtig zu wissen: Die FFA fördert nur Maßnahmen im Kinofilmbereich. Bewerber müssen entsprechende Erfahrung vorweisen.

Auch im Hinblick auf neue Produktionstechniken ist ständige Lernbereitschaft gefragt – am besten mit Unterstützung. „Es macht mehr Sinn, neue Techniken komprimiert in einer Fortbildung zu lernen, als sie sich mühsam selbst anzueignen“, sagt Andrea Gschwendtner von der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf (HFF) in Potsdam. Neben technischen Innovationen führten vor allem veränderte Verwertungswege und Ausspielplattformen dazu, dass über Formate und Gestaltungsmöglichkeiten ständig neu reflektiert werden müsse. Als eines der bekanntesten Institute für Film und Fernsehen in Europa bietet die HFF seit mehreren Jahren Weiterbildungsprogramme an. Zu den wichtigsten Veranstaltungen zählt die jährliche „Insight Out HFF Academy“. Seit dem Sommersemester 2003 findet an der HFF außerdem eine Ringvorlesung zum Thema „Medienkonsum/Medienproduktion im Wandel“ statt. Neben Studierenden und Hochschulangehörigen sind auch interessierte Gäste eingeladen. In Planung sind Masterstudiengänge und Sommerakademien.

Ein Weiterbildungsprogramm, das die HFF gemeinsam mit dem Fernsehsender Sat.1 anbietet, ist „Talent Class“: Schauspielstudenten trainieren gemeinsam mit talentierten Laien das Spiel vor der Kamera. Unter professioneller Anleitung werden sechs Kurzfilme produziert, deren Drehbücher von ausgewählten Nachwuchsautoren stammen. Ein Team von Szenenbildnern gestaltet mit Unterstützung des Studiengangs Szenografie die Studiobauten.

Während Cutter, Tontechniker oder Kameraleute vor allem mit der rasanten technischen Entwicklung Schritt halten müssen, spielen für Produzenten wirtschaftliche, rechtliche und Marketing-Aspekte eine maßgebende Rolle. „Ein Filmproduzent trägt unter Umständen die Verantwortung für Millionensummen“, sagt Andrea Peters, die für die Fortbildungen am Erich Pommer Institut (EPI) in Potsdam-Babelsberg zuständig ist. „Da sind unternehmerisches Denken und wirtschaftliches und juristisches Fachwissen grundlegend.“ Das Institut der Universität Potsdam und der Hochschule für Film- und Fernsehen Konrad Wolf erarbeitet mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft berufsbegleitende Fortbildungen für die Filmbranche, die vor allem auf Produzenten und Fernsehsender zugeschnitten sind. Besondere Bedeutung kommt der Filmfinanzierung und -förderung zu. Außerdem gibt es Kurse zu Urheberrecht und Vertragsgestaltung.

Fachwissen ist allerdings nur ein Teil dessen, was man von einer Fortbildung mitnehmen kann. Fast ebenso wichtig sind die Kontakte, die auf den Veranstaltungen geknüpft werden. „Gerade bei unserem Programm für die europäische Filmbranche ist für viele Teilnehmer ausschlaggebend, dass sie sich hier ein europaweites Netzwerk aufbauen können, auch mit Blick auf zukünftige Koproduktionen,“ weiß Andrea Peters. Denn vielleicht ergibt sich ja aus einem Plausch in der Kaffeepause schon das nächste spannende Filmprojekt.

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