Zeitung Heute : Vom Siegeszug der IT profitieren alle Akademikergruppen

Die Beratungsunternehmen schreiben bereits wieder mehr Stellen aus, Arbeitsmarktexperten sehen Techniker als Verlierer

Regina-C. Henkel

Berlin ist ein relativ gutes Pflaster für Ingenieure auf Jobsuche – so sie fundiertes IT-Know-how besitzen. Während im Bundesdurchschnitt reine Bits- und Bytes-Virtuosen an der Spitze aller Stellenofferten stehen, die zwischen März 2003 und Februar 2004 für IT-Spezialisten geschaltet wurden, haben in der Hauptstadt fundiert ausgebildete Ingenieure mit IT-Zusatz-Know-how die Nase vorn (siehe Grafik links).

In der ehemaligen New Economy-Hochburg kein Wunder. Die Firmen nutzen die Gunst der Stunde, weniger qualifizierte Quereinsteiger durch hoch karätige Kandidaten auszutauschen. Diese können sie derzeit auch mit Mehrfachqualifikation relativ preiswert einstellen. Das jedenfalls ist der Tenor der Arbeitsmarkt-Information „IT-Experten – Talsohle erreicht“ der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn.

Dem Stellenmarkt-Experten Hans Mitterholzer vom EMC Medienservice in Hamburg ist ebenfalls eine Akademisierung im IT-Arbeitsmarkt aufgefallen. Seine für den so genannten Adecco-Index zusammengestellten Zahlen zeigen, dass neben Ingenieuren branchenübergreifend auch immer mehr Betriebswirte, Physiker und Wirtschaftsinformatiker gesucht werden. Das Nachsehen haben Techniker und Facharbeiter. Und dieser Trend wird sich wohl fortsetzen. Für Werner Dostal vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist die Bevorzugung der Akademiker mit Zusatz-Know-how zwangsläufig: „Die Arbeitgeber haben keine klaren Planungsgrundlagen. Deshalb stellen sie verstärkt solche Hybrid-Fachleute ein.“

Der Stellenmarkt-Index des Fuldaer Personaldienstleisters Adecco bestätigt Dostals Einschätzung. Ganz offensichtlich besteht Beratungsbedarf und so haben die Consultingfirmen als eine Art Vorhut der anderen Branchen bereits in den vergangenen zwölf Monaten mehr Jobs für IT-Spezialisten ausgeschrieben als noch ein Jahr zuvor – immerhin 551 gegenüber 488.

Damit übertrifft der Markt bereits, was die ZAV mit der Titelwahl ihrer Broschüre „Talsohle überschritten“ zum Ausdruck bringt. Immerhin: Auch die Bonner Zuarbeiter der Bundesagentur für Arbeit bezeichnen die IT inzwischen als „echte Querschnittstechnologie“. Die gute Nachricht der ZAV für Job-Bewerber: „Es braucht keine prophetischen Gaben, um IT-Fachleuten eine gute Zukunft voherzusagen“.

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