Zeitung Heute : Vom Sperrgebiet zur Oase

Der Tagesspiegel

Jahrzehntelang waren sie Sperrgebiet – eingezäunt und nicht für jedermann zugänglich: militärische Gelände mitten im Berliner Forst. Mittlerweile sind die meisten der ehemaligen Alliiertenflächen wieder aufgeforstet.

Rund 20 solche Gebiete gab es vor 1990 in beiden Teilen der Stadt. Ungefähr 3,5 Millionen Mark wurden in den vergangenen Jahren investiert, um die verwahrlosten Areale zu renaturieren. „Fast 350 Hektar konnten wir so wieder in den Wald integrieren“, sagt Marc Franusch, Sprecher der Berliner Forsten. Bereits Anfang der 90-er Jahre wurden die Flächen der Amerikaner, im Grunewald und die Gebiete der Franzosen im Tegeler Forst umgestaltet. Dazu gehören unter anderem ein 108 Hektar großer ehemaliger Tontaubenschießplatz und ein Munitionslager sowie Panzerdepot im östlichen Grunewald. Zur „Dachsheide“ wurde das 12,5 Hektar große Areal inzwischen umbenannt. Dort wächst nun unter anderem Wachholder. „Den offenen Bereich pflegen wir mit Hilfe von Schafen“, erklärt Franusch. Auch an eine Antennenstation im Jagen 87 erinnert jetzt nichts mehr. Die alten Gebäude sind abgetragen und junge Pflanzen angewachsen.

Zu einem Kleinod für Wanderer und Naturliebhaber haben sich die „Heiligenseer Baumberge“ entwickelt. Wo einst Franzosen getarnt im Schützengraben den Ernstfall probten, befindet sich jetzt eine ungewöhnliche Dünenlandschaft. Im Nachbarbezirk Spandau werden die Berliner Forsten nach Auskunft ihres Sprechers einen Teil des ehemaligen Militärflughafens Gatow übernehmen. „Noch wird mit dem Bund verhandelt“, sagt Marc Franusch. Im Ostteil der Stadt, im Treptow-Köpenicker Forst, konnten die Renaturierungsarbeiten erst vor ungefähr fünf Jahren beginnen. Obwohl Forsten gleich nach der Wende Restitutionsansprüche stellten, zögerte sich die Übernahme heraus. Mitunter lagen die sogenannten Zuordnungsbescheide für das Land Berlin längst vor, doch sie wurden nicht umgesetzt, weil lange unklar war, wer die Kosten für die Sanierung der Gebiete übernimmt, erinnert sich ein Mitarbeiter der Senatsfinanzverwaltung. Letztendlich kamen die Gelder sowohl vom Land als auch vom Bund. So gibt es inzwischen auf Treptow- Köpenicker Gebiet kaum noch ehemalige Militärflächen.

Übungsplätze der paramilitärischen Gesellschaft für Sport und Technik (GST), Schießanlagen in den Seddingruben und der Mittelheide sind verschwunden. Auch die ehemalige Funkstation des DDR-Innenministeriums, die sich auf den Müggelbergen befand, erhielten die Berliner Forsten zurück und pflanzten dort neue Bäume. Ein Munitionsdepot der sowjetischen Streitkräfte westlich der Treskowallee, ist wieder sauber: Panzergaragen und alte Baracken wurden entfernt. 1997 holte dort der Bergungsdienst 70 Tonnen Munitionsreste aus dem Boden. Im selben Jahr fand man damals in ganz Berlin ungefähr 120 Tonnen. In Kürze will die Forstverwaltung damit beginnen, einen verwahrlosten Sportplatz der Nationalen Volksarmee, nördlich vom Wasserwerk Wuhlheide, „wieder in Wald umzuwandeln“, kündigt Sprecher Franusch an. Noch unklar ist dagegen beispielsweise die Zukunft einer zwölf Hektar großen Fläche im Wilhelmshagener Stadtwald. Das schwer zugängliche Gelände wird derzeit von der Oberfinanzdirektion verwaltet, die es aber loswerden möchte. Weil der Bund mit einem Areal mitten im Wald nichts anfangen könne, strebe man mit dem Land Berlin eine Tauschvereinbarung an, sagt Gabriela Ostermann, Referentin der Bundesvermögensabteilung. „Wir wollen dem Land Berlin, wozu die Forsten gehören, die Fläche anbieten und würden dafür eine Ersatzfläche erhalten“, erklärt die Mitarbeiterin. Diese Flächen würden im Land Brandenburg liegen.

Im gesamten Stadtgebiet verfügt der Bund derzeit übrigens über etwa 150 Hektar Wald. Auch diese Flächen sollten nach Vorstellungen der OFD in den Tausch einbezogen werden. Aus Sicht des Bundes spiele bei diesen Überlegungen in erster Linie Kosteneinsparungen eine Rolle. Gabriela Ostermann geht davon aus, dass darüber gemeinsam mit dem Senat im April entschieden wird. Steffi Bey

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