Zeitung Heute : Vom Erdboden verwöhnt

Die Auswahl an Blumen-, Pflanzerden und Substraten ist groß. Eine Übersicht.

Die meisten Moore liegen in Niedersachsen und sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Hier wird nahe Neustadt noch Topf gestochen Foto: Holger Hollemann/dpa
Die meisten Moore liegen in Niedersachsen und sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Hier wird nahe Neustadt noch Topf gestochen...Foto: dpa

Im Frühling heißt es immer Umtopfen, Balkonkästen und Gefäße bepflanzen oder Kübelpflanzen mit neuer Erde zu versorgen. Wer keine eigene Komposterde aus dem Garten hat, ist auf das Sortiment in Gartencenter oder Baumarkt angewiesen.

Die Auswahl ist groß und reicht nicht nur von Substraten für die unterschiedlichsten Verwendungsmöglichkeiten, auch die Preise sind recht verschieden. Es drängt sich die Frage auf, ob man für Balkonkästen oder Pflanzschalen unbedingt ein Kultursubstrat zum Preis von 5 bis 6 Euro für einen 50-Liter-Beutel benötigt oder ob auch billigere Blumenerde ausreicht. Sie wird vor allem in Supermärkten und Discountern angeboten. Grundsätzlich ist die Verwendung billiger Substrate für kurzlebige Pflanzen wie die Balkonblumen möglich, obwohl die Entwicklung der Pflanzen in diesem Fall nicht immer optimal ist. Für alle anderen Pflanzen sollte man unbedingt nach hochwertigen Produkten suchen, denn nur sie garantieren gutes Wachstum über mehrere Jahre. Schaut man sich die Angaben auf der Verpackung genauer an, stellt man fest, dass sich die Substrate in den Hauptbestandteilen nur wenig unterscheiden.

Im Allgemeinen enthalten die Erdmischungen – als Einheitserden, Torfkultursubstrate oder Blumenerde bezeichnet – mehr oder weniger hohe Anteile an verrottetem Weißtorf. Er besitzt eine ideale Struktur, die lange erhalten bleibt. Da sein pH-Wert sehr niedrig ist, wird er durch Zugabe von Kalk erhöht. Die Angabe des pH-Wertes darf auf der Verpackung nicht fehlen und sollte zwischen 5,5 und 7 liegen. Dagegen spielt die genaue Deklaration der Nährstoffzusammensetzung keine gravierende Rolle, da der Dünger in der Regel sechs Wochen nach dem Pflanzen aufgebraucht ist und eine regelmäßige Nachdüngung erforderlich wird.

Bestehen die Substrate allerdings aus stark zersetztem Schwarztorf oder sind die Bestandteile nicht erkennbar, sind sie weniger zu empfehlen. Allenfalls lassen sie sich im Garten zu Bodenverbesserung verwenden.

Einheitserde. Sie wird auch als Fruhsdorfer Erde oder „frux“ im Handel angeboten und besteht zu 60-70 Prozent aus Weißtorf und 30 bis 40 Prozent aus Ton oder Lehm. In diesem universell einsetzbaren Substrat kann die Pflanze mindestens zwei bis drei Jahre bleiben, bis ein Umtopfen erforderlich wird.

Torfkultursubstrat (TKS). Hier handelt es sich um reinen Weißtorf, der mit Kalk und Nährstoffen angereichert wurde. Da die Sorptionskapazität – die nährstoffhaltende Eigenschaft – infolge des fehlenden Anteils an Lehm oder Ton geringer ist, sollte der Dünger regelmäßig, aber in geringeren Dosen verabreicht werden. TKS 1 hat geringe Nährstoffkonzentration und empfiehlt sich für die Jungpflanzenanzucht und salzempfindliche Pflanzen (Farne, Usambaraveilchen u.a.). TKS 2 ist für alle anderen Pflanzen geeignet.

Mischungen aus Schwarztorf und Weißtorf. Billigerden und sogar teure Markenprodukte wie „Compo Sana“ bestehen aus dieser Mischung. Da der Schwarztorf stark zersetzt ist, wird die Struktur und die Sauerstoffversorgung des Substrates ungünstig beeinflusst. Durch Beimischung von Lehm oder Ton lässt sich die Struktur und damit auch die Eignung für die Pflanzen verbessern.

Azaleenerde. Sie wird auch Moorbeet- oder Rhododendronerde genannt und besteht meist aus Hochmoortorf (Weiß- und /oder Schwarztorf) und ist mit sauer wirkenden Düngern angereichert. Man verwendet sie auch für andere Kulturen wie Kamelien oder Eriken, die sauren Boden benötigen. Der Preis von etwa 5 Euro für einen 50-Liter Beutel ist akzeptabel.

Palmenerde. Dahinter verbergen sich oftmals unklar definierte Substrate, die recht teuer sind. Da Palmen Mischungen aus Torf, Sand und Lehm wünschen, ist besser bedient, wenn er Einheitserde mit Sand anreichert.

Kakteenerde. Sie sollte einen hohen Anteil an mineralischen Stoffen enthalten und einen pH-Wert zwischen 5 und 6. Da Kakteenerde relativ teuer ist, mischt man besser Einheitserde mit auflockernden Bestandteilen wie Sand, Grobkies, Lavagrus oder Blähton.

Orchideenerde. Oftmals enthalten angebotene Mischungen einen hohen Anteil an Schwarztorf und sind daher nicht zu empfehlen. Da Orchideen ein gut durchlüftetes, feuchtigkeitsspeicherndes, aber wasserdurchlässiges Substrat benötigen, sollten die Mischungen Kiefernrinde, Weißtorf, Kokosfasern, Blähton enthalten.Wer größere Mengen benötigt, kauft besser in einer Orchideengärtnerei.

Rindenkultursubstrat. Um die Torfvorkommen zu schonen, werden seit einigen Jahren Substrate aus Rinde angeboten. Damit hat der umweltbewusste Pflanzenfreund die Möglichkeit, Kultursubstrate ohne jeglichen Anteil von Torf zu verwenden. Hier sollte man darauf achten, dass es sich um Rindenkultursubstrat handelt. Von der Firma Neudorf wird das Substrat NeudoHum angeboten, das aus gut zersetztem Rindenhumus, Holzfasern, Kokosfasern und Cocopeat besteht. Außerdem wurde Tongranulat beigemischt, das der Harmonisierung des Wasser- und Nährstoffhaushaltes dient. Der Anteil der Komponenten variiert je nach Verwendung, denn NeudoHum wird unter anderem als Blumenerde, Balkon- und Geranienerde, Kübel- und Zitruspflanzenerde angeboten. Tassilo Wengel

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