Zeitung Heute : Von Ast zu Ast

Im Volkspark Jungfernheide eröffnen fünf Berliner jetzt den größten Hochseilgarten der Stadt – und erfüllen sich damit einen Traum

Selina Byfield

Spaziergänger, die im Februar durch den östlichen Teil des Volksparks Jungfernheide flanierten, wunderten sich. In den Wipfeln der jahrhundertealten Buchen kletterten Männer herum, hievten Holzplattformen hoch, zurrten sie an den Stämmen fest und spannten Stahlseile. Im März war schon zu erkennen, was hier entsteht: der größte Waldhochseilgarten Berlins. Auf einem zehn Hektar großen Pachtgrundstück baut die Global Rope GmbH sieben Kletterparcours mit einer Gesamtlänge von 1,5 Kilometern. Ende Mai soll eröffnet werden.

Für Kinder führt der Aufstieg in etwa zweieinhalb Meter Höhe. Der Einsteigerparcours für Jugendliche und Erwachsene beginnt bei vier Metern, Schwindelfreie können sich – mit Klettergurt und Karabinerhaken gesichert – auf bis zu 18 Meter schwingen. „Da werden selbst Sportkletterer herausgefordert“, sagt Paul Blecker, einer der drei Geschäftsführer von Global Rope. Mit dem Waldhochseilgarten habe sich für ihn ein Traum erfüllt, sagt der 32-jährige Firmengründer: „Wir haben uns einen Arbeitsort geschaffen, wo man in der Natur Sport treiben und einfach Spaß haben kann.“

Die Idee kam ihm und seinem Schulfreund und Geschäftspartner Thomas Major vor gut fünf Jahren, als sie beim Bau eines Hochseilgartens in Südfrankreich halfen: „Die organischen Formen sind dort sehr natürlich in einen alten Schlosswald eingepasst. Das Ergebnis hat uns so begeistert, dass wir uns dachten: So etwas wollen wir auch machen.“ Dafür taten sie sich mit drei Freunden zusammen: einem Betriebswirt, einem Garten- und Landschaftsbauer sowie einem erfahrenen Geschäftsmann.

In der Jungfernheide half ein glücklicher Zufall: Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf plante bereits, diesen zweitgrößten Park der Stadt durch eine neue Sport- und Erlebnisanlage attraktiver zu machen. „In den vergangenen Jahren hatten wir dort Probleme mit Vandalismus. Deshalb wollen wir die Jungfernheide aus dem Dornröschenschlaf wecken, indem wir die Ideen des Architekten Erwin Barth aufgreifen und auf die heutige Zeit übertragen“, sagt Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler.

Ein Volkspark mit Freizeitangebot für alle statt Ziergarten mit Rosenrabatten – das war nach dem Ersten Weltkrieg das Leitmotiv des Charlottenburger Gartendirektors Barth. Deshalb hatte er auf dem Waldgelände Spiel- und Liegewiesen, ein Freibad, Freilufttheater und einen Spielplatz anlegen lassen. Im Interessenbekundungsverfahren des Bezirks setzte sich die Global Rope GmbH mit ihrem ökologisch ausgerichteten Konzept durch. „Beim Entwurf haben wir darauf geachtet, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen und den Waldbestand nicht zu beschädigen“, betont Paul Blecker. „Außerdem verwenden wir nur unbehandeltes Robinienholz aus europäischer Holzwirtschaft.“ Zudem setzten sie auf neueste Sicherheitstechnik: Wer hinauf will, bekommt einen Ganzkörperklettergurt mit zwei Karabinerhaken. Der eine lässt sich nur öffnen, wenn der andere eingehakt ist.

Vielleicht überzeugten die Gründer aber auch, weil sie als sozial engagierte Lokalpatrioten auftreten: „Als gebürtige Charlottenburger wollen wir uns auch für die Kids im Kiez einsetzen“, sagt Blecker. „Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, dass Jugendliche kleinere Arbeiten im Hochseilgarten übernehmen und dafür kostenlos klettern dürfen.“

Das Gelände bleibt für Parkbesucher frei zugänglich, zahlen muss nur, wer die Baumkronen erklimmt. Ab 2011 soll es einen separaten Kletterbereich für Gruppen geben. Für jene, die lieber am Boden bleiben, funktioniert Global Rope den historischen Wasserturm an der großen Liegewiese um. Gerade entsteht darin eine kleine Küche. Bald kann man sich im Gartencafé bei Snacks, Getränken und Grillfleisch entspannen.

www.global-rope.com

Beim Entwurf haben wir darauf geachtet, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen und den Waldbestand nicht zu beschädigen.“

Paul Blecker, Geschäftsführer Global Rope

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