Zeitung Heute : Von Bakschisch und Bestechung

Der Tagesspiegel

Von Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Das Wort „Bahsis“ (wird Bahschesch gesprochen) ist in der westlichen Welt besser bekannt als „Bakschisch“, was im Türkischen übersetzt Trinkgeld bedeutet. Es wird von Menschen oft als Synonym für das Wort „Bestechung“ benutzt.

In der Tat ist die Grenze zwischen dem Trinkgeld, das eine höfliche Geste des Gastes ist, und der Gabe, die abhängig machen soll, sehr gering, aber in der Türkei gibt es für Bestechung ein eigenes Wort: Rüsvet (wird Rüschwät gesprochen). Seit dem Spendenskandal der CDU ist das Wort in türkischen Zeitungen regelmäßig in Zusammenhang mit deutschen Parteien zu lesen. „In Deutschland gibt es immer mehr Rüsvet-Fälle“, titelte am Donnerstag die Tageszeitung Milliyet mit Blick auf die Spendenaffäre der Kölner SPD.

Der „Nachbarschafts-Ärger“, (Bild–Zeitung) in Basdorf, über den am Donnerstag berichtet hatte, war auch in den türkischen Tageszeitungen ein Thema. „Das ist Deutschland 2002!“ titelte die Tageszeitung Milliyet. „Polizeischutz für türkische Familie“, hieß es in der Hürriyet. In dem Brandenburger Ort wird eine deutsch-türkische Familie mit sechs Kindern seit ihrem Umzug im vergangenen August so von Jugendlichen attackiert , dass die Polizei vor ihrem Haus patrouillieren muss.

Fürsorglich gegenüber den Türken zeigte sich am Sonnabend der Leiter der Ausländerbehörde, Harald Bösch-Soleil. Menschenschlangen gehören dort – wie fast in jeder öffentlichen Behörde in Berlin – zum Alltag. Das soll sich jetzt ändern. In der Hürriyet zeigte er sich seiner Kundschaft und kündigte nun ein Ende der langen Wartezeiten an. „Wer einen Termin (im Türkischen heißt das Randevu) nimmt, braucht nicht warten“, titelte die Hürriyet und widmete seiner Ankündigung relativ viel Platz. Wer sich in Zukunft beim Ausländeramt für donnerstags telefonisch einen Termin geben lässt (90158-0), muss nicht lange warten, um seine Aufenthaltserlaubnis zu verlängern. Auch über das Internet kann die Aufenthaltserlaubnis jetzt verlängert werden ( www.berlin.de/landeseinwohneramt ). Doktoranden oder Beschäftigte einer Hochschule, können sogar jemanden dazu bevollmächtigen. Studenten haben zu Semesterbeginn jeden Mittwoch eine Sondersprechstunde.

„Die größte Gruppe in der Ausländerbehörde sind die Türken. Für sie war es bisher am strapaziösesten“, hat die Hürriyet den Leiter der Ausländerbehörde zitiert.

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