Zeitung Heute : Von China bis nach Kasachstan

Die Messe Studyworld informiert zum ersten Mal über Studium, Praktikum, Jobeinstieg und Weiterbildung

Anna Lu Silke Zorn

Vom Beijing Institute of Technology sind es nur ein paar Schritte bis zur Pawlodarer Universität in Kasachstan. Gleich um die Ecke lockt das kanadische Georgian College. Und wer dann immer noch nicht genug hat, kann der Manchester Business School einen Besuch abstatten oder der Frage nachgehen, wer oder was sich hinter dem klangvollen finnischen Namen Mikkelin Ammattikorkeakoulu verbirgt. Einen Jet-Lag braucht man bei diesem „Uni-Hopping“ allerdings nicht zu befürchten. Lediglich U-Bahn, Auto oder Fahrrad müssen bestiegen werden, um sich am kommenden Freitag und Sonnabend auf der Hochschulmesse Studyworld über Studium, Praktikum, Jobeinstieg und Weiterbildung in aller Welt zu informieren.

Zum ersten Mal präsentieren sich rund 100 Aussteller aus 17 verschiedenen Ländern im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in der Berliner Friedrichstraße. Neben zahlreichen Hochschulen aus dem In- und Ausland werden auch Stipendien- und Förderinstitutionen, Austauschdienste, Praktikumsvermittler, Weiterbildungseinrichtungen und Wissenschaftsorganisationen vertreten sein. „Mit der Resonanz der Aussteller sind wir wirklich sehr zufrieden“, sagt Katrin Schiller, Projektkoordinatorin beim Messeveranstalter ICWE GmbH, „vor allem wenn man bedenkt, dass die Messe eine Premiere ist.“ Dabei schließt die Studyworld nach Aussage der Initiatoren eine echte Marktlücke. „Im Ausland sind Hochschulmessen gang und gäbe“, so Katrin Schiller. In Deutschland habe eine Publikumsmesse mit klarem Fokus auf akademischer Aus- und Weiterbildung bisher allerdings gefehlt. Partner der Messe sind der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Vor allem Schüler der Jahrgangsstufen elf bis 13, Studierende und Hochschulmitarbeiter will die Messe ansprechen. Das Angebot richtet sich aber auch an Absolventen und Berufstätige, die sich parallel zum Job akademisch weiterbilden wollen. Dabei reicht die Länderpalette von Dauerbrennern wie Kanada, Australien, Südafrika oder den USA bis hin zu vergleichsweise exotischen Studienzielen wie Finnland, Norwegen oder den osteuropäischen Staaten. Auch zahlreiche deutsche Hochschulen werden vertreten sein. Sie informieren nicht nur über ihr Fächerangebot, sondern geben auch zu allgemeinen Fragen rund ums Studium Auskunft – etwa zu den neuen Abschlüssen, die im Rahmen des Bologna-Prozesses in Deutschland eingeführt werden. „Das Thema bewegt derzeit viele Studierende“, meint Projektkoordinatorin Katrin Schiller. Was es mit den neuen Abschlüssen auf sich hat und wie eine sinnvolle Studienplanung in Zeiten von Bachelor und Master aussehen sollte, wird daher ein wichtiges Thema auf der Studyworld sein.

Parallel zur Messe findet an beiden Tagen ein Fachprogramm statt (siehe Kasten). In den Vorträgen und Präsentationen geht es sowohl um allgemeine Themen wie die Vorbereitung eines Auslandsaufenthalts oder die richtige Strategie bei Bewerbung und Jobsuche, als auch um die konkreten Angebote der anwesenden Universitäten. Der DAAD informiert im Rahmen von Sonderpräsentationen zu den Themen Studium und Praktikum (Freitag) sowie Jobeinstieg und Weiterbildung (Sonnabend). Wer vor einem Studium im Ausland erst einmal seine Englischkenntnisse auffrischen möchte, für den könnte sich die Teilnahme am Messe-Gewinnspiel lohnen. Als Hauptgewinn winkt eine einwöchige Englisch-Sprachreise, gesponsert vom Veranstalter LAL. Reiseziel: die sonnige Mittelmeerinsel Malta.

Neben Englisch wird am kommenden Wochenende aber vor allem eine Sprache durch die Messehallen schallen: Chinesisch. Die Volksrepublik China ist Gastland der diesjährigen Studyworld und wird mit rund 30 Hochschulen und Bildungseinrichtungen in einem eigenen Messebereich vertreten sein – darunter so namhafte Einrichtungen wie die Peking University oder die Beijing Language and Culture University. Die Hochschulen wollen in Deutschland kräftig die Werbetrommel rühren. Denn derzeit studieren nur rund 1200 Deutsche in China, während an hiesigen Hochschulen über 25 000 Chinesen eingeschrieben sind.

Dabei sprechen handfeste Gründe für einen Studienaufenthalt im Reich der Mitte: Mit einem jährlichen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von durchschnittlich neun Prozent in den vergangenen Jahren ist es längst zu einer bedeutenden Wirtschaftsmacht herangewachsen. Der deutsch-chinesische Handel boomt; Deutschland ist der wichtigste europäische Handelspartner Chinas. Entsprechend gut sind daher die Arbeitsmarktchancen für Absolventen, die über Sprache und Kultur des Landes Bescheid wissen. Letztere lernt man allerdings am besten jenseits der Campusmauern kennen: Subtropische Hitze und sibirische Kälte, Wüste und Wolkenkratzer, Geschäftsmänner in Shanghai und Reisbauern in der Provinz Sichuan – China hat viele Gesichter, eine Rundreise im Anschluss an den Studienaufenthalt lohnt sich.

Finanzielle Unterstützung können Studierende durch den DAAD erhalten: Er vergibt sowohl eigene Stipendien als auch solche der chinesischen Regierung. Die gängigsten Förderprogramme sind Jahres- und Semesterstipendien, für die man sich bereits nach dem zweiten Semester bewerben kann. Interessenten sollten allerdings zum oberen Viertel ihres Jahrgangs gehören. Wenn man die entsprechenden Studienleistungen mitbringt, hält sich die Konkurrenz in Grenzen: Etwa drei bis vier Bewerber kommen auf einen Platz. Eine weitere Möglichkeit: Der China-Aufenthalt findet im Rahmen einer Hochschulkooperation statt, über die das Akademische Auslandsamt der Heimathochschule Auskunft geben kann. In der Regel werden dabei ebenfalls die Studiengebühren erlassen, die im übrigen niedriger ausfallen als etwa in den USA, Kanada oder Australien.

Mehr Infos im Internet:

www.studyworld2006.com

www.daad.de

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