Zeitung Heute : Von der Antenne direkt zur Video-DVD

Das digitale „Überallfernsehen“ eignet sich besonders, um Fernsehsendungen verlustfrei mit dem Computer aufzunehmen

Kurt Sagatz

Das digitale Antennenfernsehen DVB-T, das in Berlin vor über zwei Jahren startete, ist vor allem für Computerbesitzer die effektivste Variante, um Fernsehfilme aufzuzeichnen und um daraus ohne großen Umwege eine DVD zu brennen.

Das neue Fernsehen aus der Antenne hat einen großen Vorteil: Das Signal liegt bereits digitalisiert vor: Es muss somit anders als beim analogen Kabelempfang nicht mehr umgewandelt werden. Damit ist es den Herstellern von DVB-T-Dekodern für den Computer möglich, preiswerte und äußerst kompakte Geräte herzustellen. Es muss nicht einmal beim Funktionsumfang gespart werden; DVB-T- Empfänger für den PC geben das Fernsehbild in der maximal möglichen Auflösung wieder. Beim Mitschneiden einer Sendung muss der Datenstrom nur auf die Festplatte geschrieben werden, so dass auch Mittelklasse-Rechner nicht überfordert werden. Auch das Notebook wird damit fernsehtauglich, zumal es inzwischen DVB-T-Empfänger gibt, die sogar noch kleiner als ein Feuerzeug sind. Selbst zeitversetztes Fernsehen ist mit den kleinen Geräten möglich. Wenn beispielsweise das Telefon klingelt, wird auf die entsprechende Taste gedrückt, und man kann den Film an der gewünschten Stelle weitersehen – auch wenn es fraglich ist, ob man den Fernsehabend vor dem Computer verbringen will. Erheblich sinnvoller ist darum auch die am PC erstellte DVD fürs Wohnzimmer. Denn da keine Umwandlung nötig ist, liegt die Qualität auf dem Niveau der Ausstrahlung. Zudem passen auf eine Standard-DVD zumeist gleich zwei Filme.

Wie leistungsfähig DVB-T-Geräte für den Laptop sind, zeigt beispielsweise die „AverTV Hybrid+FM“ von Avermedia. Das Universalgerät kostet rund 100 Euro. Die Karte für den PC-Card-Schacht des Laptops vereinigt gleich drei Empfänger. Neben DVB-T hat die Karte einen Anschluss für analoges Fernsehen. So können wahlweise Sendungen aus dem Antennenfernsehen oder dem Kabel-TV empfangen und aufgenommen werden. Der analoge Anschluss ist so ausgelegt, dass auch vom Videorekorder oder vom analogen Camcorder Signale ins digitale Computerformat umgewandelt werden. Zudem macht die Karte den Laptop zum UKW-Radio, denn auch dafür wurde ein Empfänger eingebaut. Das „HD ready“- Logo besagt, dass der Digitalempfänger auch für das hochauflösende Fernsehen der Zukunft gerüstet ist. Voraussetzung dafür ist aber, dass erst einmal Sendungen in dem neuen Format vorliegen.

Doch egal, ob nun analog oder digital aufgezeichnet wird, die Avermedia-Karte stellt hohe Anforderungen an die Leistung des PCs oder Laptops. Unter einem Rechner mit Pentium 4 und 2,4 Gigahertz Taktfrequenz oder einem vergleichbarem anderen Prozessor läuft die Karte nach Angaben des Herstellers nur eingeschränkt. Vor allem die Funktion für zeitversetztes Fernsehen, bei dem zeitgleich aufgenommen und abgespielt wird, ist extrem leistungshungrig. Als Betriebssysteme werden Windows 2000 und Windows XP unterstützt.

Noch kleiner, aber ohne Analog- und Radio-Funktion sind DVB-T-Empfänger im Format eines USB-Sticks, wie sie zur Internationalen Funkausstellung von vielen Firmen vorgestellt werden. Der „Freecom DVB-T USB Stick“ beispielsweise ist gerade einmal 28 mal 86 Millimeter groß und wiegt dabei 25 Gramm. Dieser Fernsehempfänger passt in jede Laptop- oder Hosentasche. Das Gerät kostet um die 80 Euro. Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Computers sind verhältnismäßig moderat. Der USB-Stick läuft auch auf einem Pentium III mit 800 Megahertz. Allerdings setzt der Empfänger als Betriebssystem Windows XP mit mindestens Service Pack 1 voraus.

Für den DVB-T-Empfang bringen beide Geräte gleich eine Stummelantenne mit. Im Praxistest zeigt sich jedoch, dass diese kleinen Stabantennen nur bei einer optimalen Empfangssituation einwandfrei arbeiten. Während es beim reinen Fernsehen noch hinzunehmen ist, wenn es wegen eines niedrigen Empfangssignals zu Aussetzern kommt, ist damit eine Aufnahme kaum zu realisieren. Zum Schneiden und Ausspielen auf DVD wird möglichst fehlerfreies Ursprungsmaterial benötigt. Die Folge: Außer im Freien und in Gegenden mit optimaler DVB-T-Versorgung kommt man um die Anschaffung einer Zusatzantenne nicht herum. Bei der Auswahl sind aktive Antennen mit eingebautem Signalverstärker passiven vorzuziehen. Das gilt aber auch, wenn es sich um andere DVB-T-Empfänger oder interne PC-Karten handelt.

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