Zeitung Heute : Von der Fotografin zur Senfmischerin

-

Eigentlich sind die Lach und Sachgeschichten aus der Sendung mit der Maus ja für Kinder gedacht. Als Lehrmaterial, etwa um zu verstehen, warum der Mond mal dünner und mal dicker ist. Manchmal aber können auch Erwachsene noch etwas lernen. So ist es bei Merit Schambach gewesen: In der Sendung mit der Maus hat sie gesehen, wie Senf hergestellt wird, und dass man Senf mit so ziemlich allem, was Kräutergarten und Kühlschrank hergeben, mischen kann. Auch mit Bananen. Das hat sie dann sofort ausprobiert. Und weil der Bananensenf so gut geschmeckt hat, hat sie gleich weitere Senfsorten kreiert – Senf mit Mohn, Senf mit Knoblauch, Senf mit …

Ihre ersten Kreationen hat Schambach Freunden und Verwandten geschenkt. Und die haben wiederum ihre Freunde und Verwandten von den Delikatessen kosten lassen. Am Ende konnten die Leute nicht genug vom Bananensenf bekommen.

Das war vor zwei Jahren. Da war Merit Schambach, gelernte Architekturfotografin, noch arbeitslos – und hatte viel Zeit zum Senf mischen, daheim in ihrer Küche. Heute mischt sie immer noch Senf – in ihrem eigenen Laden in Berlin Kreuzberg. Und heute verschenkt sie den Senf nicht mehr, sondern verkauft ihn, für 2,50 Euro das Glas. Seit Mai 2003 gibt es den „Senfsalon“, so hat Schambach ihre Ich-AG genannt. Mittlerweile hat sie so viel zu tun, dass sie eine Aushilfskraft eingestellt hat. Anfangs war das nicht erlaubt, da durften in einer Ich-AG nur Familienangehörige mitarbeiten. Das hat die Bundesregierung im Sommer 2003 geändert.

Mit dem staatlichen Fördergeld allein kommt Schambach natürlich nicht hin. Um den Laden einzurichten und die Geräte für eine Senfproduktion im großen Stil anschaffen zu können, hat sie einen Kredit in Höhe von 25 000 Euro aufgenommen. Und um überhaupt in der Lage zu sein, ein Finanzierungskonzept zu erstellen, hat sie ein Seminar für Existenzgründer bei der Investitionsbank Berlin besucht. Denn sich mit einer Ich-AG selbstständig zu machen, das heißt auch, ganz auf sich gestellt zu sein. Vom Arbeitsamt kommt zwar das Geld, den Rest aber muss man alleine schaffen.

Mehr Informationen: Senfsalon, Hagelberger Str. 46, 030 / 78 89 11 01

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!