Zeitung Heute : Von der Lust am Unbekannten

Morgens am Südpol, nachts in Harlem: Forschertagebücher von HU-Wissenschaftlern veröffentlicht

Heike Zappe
Gewappnet. Forscher erzählen, wie sie Expeditionen vorbereiten.Foto: Abb. aus dem Buch
Gewappnet. Forscher erzählen, wie sie Expeditionen vorbereiten.Foto: Abb. aus dem Buch

Einen Ethnologen schützt im nächtlichen Dschungel des Himalaya nur schnellstes Reaktionsvermögen vor dem tödlichen Hieb einer Machete. Ein Physiker folgt Roald Amundsen ins ewige Eis, wo ihm Erfrierungen noch heute sicher sind, wenn er sich nicht gegen die lebensfeindliche Kälte der Antarktis zu schützen weiß. Die Zeiten der großen wissenschaftlichen Entdeckungsreisen liegen einige Jahrhunderte zurück. Die Gründe, solche Expeditionen zu unternehmen und auch die Bedingungen haben sich inzwischen teilweise grundlegend geändert.

Was bewegt Forscherinnen und Forscher der Humboldt-Universität heutzutage, Orte aufzusuchen, die womöglich vor ihnen schon Wissenschaftlergenerationen erforscht haben? Was treibt sie heute noch, abgelegene, unwegsame Gegenden zu erkunden? Trifft die Zuschreibung „kühne Abenteurer und furchtlose Entdecker“ à la Marco Polo oder Juri Gagarin auch auf sie noch zu? Ein Musikwissenschaftler jedenfalls geht bei seinem ersten Besuch eines Gospelkonzerts im seinerzeit heruntergekommenen Harlem der 1980er Jahre nicht ohne Furcht vor Raub und Überfall durch das berüchtigte New Yorker Viertel.

In dem jüngst erschienenen Buch „Von der Lust am Unbekannten. Humboldts Erben auf Forschungsreisen“ lassen uns 16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenster Fachgebiete mit ihren Schilderungen teilhaben an ihrem Forscherleben, fernab von modern ausgestatteten Instituten und heimischen Bibliotheken. In ihren Tagebuchaufzeichnungen lesen wir nach, was sie mit nach Hause nehmen. Wie einer der Namensgeber ihrer Universität, der Naturwissenschaftler und Forschungsreisende Alexander von Humboldt, widmen sie sich so etwas „noch nicht ganz Gefundenem und nie ganz Aufzufindendem“.

In der Langen Nacht der Wissenschaften am 28. Mai lesen einige Autoren im Hauptgebäude aus ihren Forschertagebüchern, inmitten einer kleinen Erlebniswelt aus Feldlabor und Fundstücken. Sie berichten etwa davon, welche Vorbereitungen getroffen werden müssen, um eine Expedition an den Südpol, in die Libysche Wüste, in die Tiefsee oder auf die Galapagosinseln durchführen zu können. Außerdem hat an diesem Tag der Film „Mit Herrn von H. zum Schlangenberg“ Premiere. Zwei Filmemacher begaben sich per Motorrad auf die Spuren von Alexander von Humboldt, der 1829 rund 17 000 Kilometer auf seiner Forschungsreise durch Sibirien zurücklegte. Heike Zappe

Das Buch: Von der Lust am Unbekannten. Humboldts Erben auf Forschungsreisen, herausgegeben von Heike Zappe. Panama Verlag, Berlin 2011. 160 Seiten, 24,90 Euro. Das Event: „Humboldts Erben auf Forschungsreisen“ in der Langen Nacht der Wissenschaften am 28. Mai, 17 bis 1 Uhr, Senatssaal der HU, Unter den Linden 6 (www.hu-berlin.de/langenacht)

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