Zeitung Heute : Von der Notlösung zur gesuchten Spezialität

Der gemischte Satz macht in den Händen der Wiener Topwinzer steile Karriere

Franz v Bruck

Eine Cuvée, abgeleitet vom französischen „Cuve" (Behälter, Tank), kann verschiedene Bedeutung haben. Als „Tête de Cuvée" adeln manche Weingüter - speziell die Edelsüßweinproduzenten im Sauternes - das Spitzenprodukt eines Jahrgangs. International ist die Cuvée längst auch außerhalb Frankreichs ein gebräuchlicher Begriff für zumeist gehobene Weinqualitäten, die sich aus unterschiedlichen, doch einander ergänzenden und miteinander harmonierenden Rebsorten zusammen setzen. Klassische Cuvée-Weine sind die Bordelaiser Roten, die in der Regel aus zwei bis vier Rebsorten komponiert werden. Man kann es auch so sagen: Bei der Cuvée entscheidet der Kellermeister mehr oder weniger kunstvoll über die Zusammensetzung des Weins, beim Gemischten Satz die Natur. Die Vermählung der Trauben findet bereits im Weinberg statt.

Der „Gemischte Satz", eine österreichische Spezialität seit altersher, setzt sich, wie der Name signalisiert, gleichfalls aus mehreren Rebsorten zusammen, doch im Unterschied zur Cuvée, die aus Weinen mehrerer Rebsorten und Lagen besteht, wachsen die Trauben für den Gemischten Satz traulich vereint in einer gemeinsamen Anlage. Beim Wein namens „Alter Panzaun“, mit dem der Langenloiser Winzer Ludwig Ehn vor rund zwanzig Jahren eine Renaissance des Gemischten Satzes einleitete, sind gleich neun verschiedene weiße Rebsorten vereint: Rheinriesling, Welschriesling, Müller-Thurgau, Grüner Veltliner, Sylvaner, Muskat Ottonel, Gelber Muskateller, Sauvignon blanc, Weißburgunder.

Entstanden ist der Gemischte Satz aus einer Not. Um sich vor den Unbilden der Natur wie Frost, Hagel und anderen Widrigkeiten zu schützen, wurden die Weingärten querbeet und durcheinander mit mehreren Rebsorten bepflanzt, nach dem Motto: Einige werden schon einen guten Ertrag bringen. Reinsortig angebauter Wein, wie er inzwischen die Norm ist, galt noch vor 100 Jahren als riskant und geradezu luxuriös. Nach dem Triumph der reinsortig bepflanzten Lagen gegenüber solchen mit dem Gemischten Satz hat es eine Zeitlang gedauert, bis sich Klassewinzer erneut dieses Weintyps besannen. Hatten sie bis vor kurzem den Gemischten Satz meist anonym als billigen Landwein und beim Heurigen verkauft, pflegen einige namhafte Weinbauern heute den gemischten Satz als besondere Spezialität und aushängeschild.

Ehn gehörte zu den ersten Winzern, die hocherhobenen Hauptes den Mischsatz priesen und ihn zum Kult machten. Vor einem Jahr taten sich vier Klassewinzer aus Wien zu einem Quartett mit dem Ziel zusammen, den Gemischten Satz als Klassiker der Wiener Weintradition salonfähig zu machen. Fritz Wieninger, der Motor dieser Bewegung, feierte schon einige Jahren große Erfolge mit seinem „Nußberg Alte Reben" - nun gehören auch Rainer Christ, Michael Edlmoser und Richard Zahel in der "WienWein" genannten Gruppe zu den Verfechtern des Mischsatzes.

Typisch für den Gemischten Satz ist die gemeinsame Ernte mit dem Ergebnis, dass schon mal hochreife Trauben neben grünen gekeltert werden. Opulenz trifft sich dann im Fass mit frischem Temperament - eine Ehe, die durchaus dem Geschmack der WienWein-Winzer entspricht. Wenn Fritz Wieninger über seinen „Nußberg“ spricht, gerät er jedenfalls ins Schwärmen: „Der Gemischte Satz ist keineswegs etwas Altväterliches, sondern ein höchst spannendes Thema. Früher wollte ich es nicht glauben, dass der Gemischte Satz etwas Wertvolles ist, aber jetzt bin ich dessen glühender Verfechter. Die Charakteristik des Weingartens in die Flasche zu bringen, darin sehe ich meine größte Herausforderung.“ so sioeht es auch Rainer Christ. Für ihn ist der Wiener Gemischte Satz „ein authentischer Wein, der nicht gemacht wird, sondern so schmeckt, wie ihn die Natur vorher bestimmt hat."

Den Gemischten Satz der Wiener Gruppe gibt es in zwei Kategorien:

Der klassische Wiener Mischsatz stamm von einem oder mehreren Wiener Weinbergen mit mindestens drei gemischt gepflanzten Rebsorten. Der Wein wird im Stahltank vergoren und darf nicht mehr als 12,5 Prozent Alkohol aufweisen. Das ist ein Wein, der mit leicht und fruchtig gerade recht beschrieben ist.

In der höheren Güteklasse stammt der Wiener Gemischte Satz aus einer bestimmten Lage, wobei die Rebstöcke mindestens 20 Jahre alt sein müssen und der Alkohol bei oder über 12,5 Prozent liegen muß. Dieser Wein darf auch im großen Holzfaß, doch nicht im Barrique ausgebaut werden.

(Mehr Informationen zum Thema gibt es unter: www.wienwein.at)

Franz v Bruck

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