Zeitung Heute : Von Ehre und Anstand

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Lafontaine wirft Schröder fehlenden Anstand vor. Wie kam es zur aktuellen Aufforderung, der Kanzler solle zurücktreten?

Drei Tage nach seinem Rücktritt am 11. März 1999, fing Oskar Lafontaine an, Gerhard Schröder anzugreifen. Fehlenden „Teamgeist“ warf er ihm vor und positioniert sich gegen dessen Kosovopolitik: Seinen „Freunden in der SPD“, riet er, die Friedenspolitik Brandts fortzusetzen. Er unterstellte Schröder indirekt, sich nicht für die Arbeitslosen zu interessieren und an den Wahlniederlagen schuld zu sein. Im Herbst 1999 erschien Lafontaines Buch „Das Herz schlägt links“, das den Kanzler bis in den Privatbereich hinein angriff. Dem Tagesspiegel sagte er damals, der Kanzler verstehe sich nicht auf das Handwerk des Regierens, sei ohne Visionen und habe während ihrer gemeinsamen Zeit im Kabinett Führung vermissen lassen. Ein Jahr später sah Lafontaine SPD Wahlversprechen vom Kanzler gebrochen. 2003 sprach er über Schröders Annäherung an die Gewerkschaftsbosse von einer Propagandalüge, und schrieb, Schröder stolpere von Wortbruch zu Wortbruch. So rückte er auf seinem Feldzug gegen den Kanzler immer weiter vor, bis er ihm im Juli 2004 nahe legte, zurückzutreten: „Wenn das Volk eine Politik ablehnt, muss man die Politik ändern. Wenn man dies nicht kann, muss man gehen.“ nan

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