Zeitung Heute : Von einem Ort zum anderen

Dagmar Dehmer

In Berlin tagt der 8. UN-Weltkongress Metropolis zur „Zukunft der Stadt“. Was können die Mega- städte der Welt zur Bewältigung ihrer Probleme voneinander lernen?

Als der Städteverbund Metropolis vor 20 Jahren gegründet worden ist, hatten sich die 14 Gründungsmitglieder die ganz großen Fragen vorgenommen. Die Titel der ersten Weltkongresse lauteten „Für ein besseres Leben in den Metropolen“ oder „Metropolen im Aufschwung“. Inzwischen sind die nunmehr 84 Mitgliedsstädte in den Ebenen angekommen. Der Titel des Kongresses, der an diesem Mittwoch beginnt und bis zum 15. Mai in Berlin stattfindet, lautet nüchtern: „Tradition und Transformation. Die Zukunft der Stadt“. Tatsächlich geht es ganz pragmatisch darum, wie Probleme großer Städte gelöst werden können – vom Verkehrschaos in den Straßen bis zur Wasserversorgung oder der Abfallbeseitigung.

Berlin jedenfalls will sich beim Kongress vor allem eines „ganz genau anhören“, sagt Torsten Zeiß von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: die Erfahrungen Londons mit der City-Maut. Schließlich sei es nicht nur gelungen, den Individualverkehr aus der Stadt zurückzudrängen, sondern auch, die Abgaswerte in der Stadt zu senken. Und angesichts der deutlich überschrittenen Grenzwerte für Feinstaub will Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge- Reyer auch über eine City-Maut zumindest einmal nachdenken. Paris dagegen hat sich vorgenommen, von Berlin zu lernen. Die Pariser Verantwortlichen wollen herausfinden, wie Berlin die Verantwortung für eine Vielzahl von Fragen an die Bezirke delegiert. Offenbar will die französische Hauptstadt längerfristig weg vom Zentralismus.

Metropolis hat aber auch eine sehr verbindliche Zusammenarbeit von Großstädten zustande gebracht. Schon 1993/94 half die australische Stadt Melbourne der mexikanischen Hauptstadt dabei, drei ihrer schnell wachsenden Regionen besser zu planen. Denn das Wachstumstempo drohte die Stadtverwaltung regelrecht zu überrollen. 1995 bis 1997 halfen Barcelona, Lissabon und Paris der kubanischen Hauptstadt Havanna dabei, ihre Trinkwasserversorgung zu verbessern. Dabei geht es in der Regel nicht nur darum, den Städten direkt mit Geld zu helfen, sondern sie dabei zu beraten, internationale Mittel abzurufen und sich von Experten aus den entwickelten Städten helfen zu lassen. In diesem Sinne haben 1996/97 auch Paris und Melbourne die chinesische Stadt Gungzhou dabei unterstützt, ihr Verkehrssystem zu verbessern. Im Jahr 2000 half Barcelona der mexikanischen Großstadt Guadalajara beim Ausbau einer zuverlässigen Abfallentsorgung.

Dem Anspruch, dass alle Städte voneinander lernen können, ist Metropolis bisher nicht gerecht geworden. Denn bisher haben in allen Projekten die entwickelten Städte aus dem Norden den weniger entwickelten Metropolen im Süden ihre Experten zur Verfügung gestellt oder sie anderweitig unterstützt. Bisher hat Berlin noch nichts von Addis Abeba oder auch von Istanbul gelernt. Dennoch sehen die meisten Mitglieder den Städtezusammenschluss als Erfolg. Und zumindest bei den alle drei Jahre stattfindenden Weltkongressen ist der Lernerfolg offenbar weniger einseitig verteilt. Denn dort kommen auch die Metropolen aus den Entwicklungsländern ausführlich zu Wort.

Weitere Informationen im Internet: www.metropolis2005.org.

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