Zeitung Heute : Von einem Stamm zum anderen

Wie sich das Vogelgrippevirus mit dem menschlichen Grippevirus verbinden könnte

Nicola Siegm -Schultze

Eine Besonderheit der Vogelgrippe-Viren ist, dass im Verlauf einer Epidemie neue Varianten entstehen, die gefährlicher sind als die ursprünglichen Erreger.

Wann es dazu kommt, lässt sich nicht vorhersehen. Es kann Monate, aber auch nur Wochen dauern.

Der Virustyp H5N1, der zur Zeit in Asien grassiert, verändert seine Erbsubstanz besonders schnell, und das macht ihn so gefährlich. Es gibt zwei Wege, wie sich Menschen mit dem Erreger anstecken können. Seit 1997 wurde beobachtet, dass Vogelgrippe-Viren durch Mutationen in der Erbsubstanz spontan die Fähigkeit erlangen können, die Artgrenze zu überspringen und Menschen zu befallen. Dieses Phänomen werde zurzeit in Südostasien beobachtet, teilt das Robert-Koch-Institut mit.

Bei dem zweiten Weg treffen ein menschliches Influenza-Virus und ein Vogelgrippe-Virus zusammen. Das kann durch eine Doppelinfektion des Menschen geschehen, aber auch in anderen Säugern wie dem Schwein. In solch doppelt infizierten Individuen haben die Viren unterschiedlicher Herkunft nun die Möglichkeit, ihr Erbmaterial miteinander auszutauschen.

Gefährliches Virus wird produziert

Sie geben der infizierten Zelle den Befehl: „Produziere meine Bausteine“. Daraus kann im schlimmsten Fall ein Virus entstehen, das für den Menschen gefährlicher ist als jedes der beiden Elternviren allein. Bedrohlich für den Menschen werden solche Viren vor allem dann, wenn sie sich im Menschen gut vermehren und zugleich schwere Krankheitssymptome hervorrufen.

„Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass sich in Vietnam Menschen untereinander angesteckt haben, ist damit noch nicht gesagt, dass das Vogelgrippe-Virus mit Grippeviren von Menschen Erbsubstanz ausgetauscht hat, sagte Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut dem Tagesspiegel. Bisher sei die Übertragung auf den Menschen noch nicht wirksam.

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