Zeitung Heute : Von Fischern und Fasern

Kunstseide machte Premnitz groß Aber die Havelstadt hat ältere Traditionen

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Das „Stadion der Chemiearbeiter“ und gegenüber das „Kulturhaus“, daneben halb abgerissene Fabrikhallen – im Industriepark in Premnitz gibt es jede Menge Zeugen der untergegangenen DDR. Daneben entstanden jedoch moderne Betriebe, die Kunststoffrecycling und -verarbeitung betreiben, Zinkdruckgussprodukte herstellen oder Aktivkohle für die Wasserwirtschaft regenerieren.

Die havelländische Stadt Premnitz, umgeben von Seen, Wäldern und gelben Rapsfeldern, will zeigen, dass Industrie und Natur keine Gegensätze bilden müssen, sondern sich ergänzen können. Das einstige Zentrum der Chemiefaserproduktion wird vom Land gefördert. Im mehr als 150 Hektar großen Industriepark sollen sich weitere Investoren ansiedeln. Auf dem Gelände arbeiten bereits mehr als 1000 Menschen in etwa 40 mittelständischen Betrieben.

Zugleich lockt das einstige Fischerdorf Touristen. Stolz sind die Premnitzer auf das neue Stadtzentrum mit Havelpromenade und Dampferanlegestelle. Seit kurzem dort zu bewundern: die 6,30 Meter hohe „Galiarde“. Die Figurengruppe symbolisiert die Entwicklung vom Fischerdorf zum Industriestandort; mit einem Fischer im Kahn, einem Wasserrad und einer Frauenfigur, die für die Zukunft der Stadt steht. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde „Prebenitz“ im Jahr 1375. Die meisten Gebäude stammen jedoch aus dem 20. Jahrhundert. Im 17. bis 19. Jahrhundert hatten mehrere verheerende Brände große Teile von Premnitz zerstört. Die 1916 gebaute Steinbogenbrücke gilt heute als Wahrzeichen der Stadt und ist ein Bestandteil des Wappens. 1923 wird die erste Anlage zum Spinnen von Kunstseide in Betrieb genommen – der erste Schritt auf dem Weg zum Chemiefaser-Standort. In den folgenden Jahrzehnten werden Produktionsstätten und Produktpalette ständig erweitert. 1949 wird der VEB Chemiefaserwerk gegründet. Heute firmiert der einst volkseigene Betrieb unter „Märkische Faser AG“.

Das ursprüngliche Zentrum des alten Dorfes Premnitz liegt vor dem Ortsausgang nach Rathenow. Dort steht auch die aus dem Jahr 1858 stammende Kirche im neoromanischen Stil. Unweit davon findet sich der Luckehof, einer der wenigen in der Mark Brandenburg erhaltenen Vierseiten-Höfe.

Im nördlichen Stadtgebiet liegt der malerische Premnitzer See. Er entstand, nachdem 1913 ein plötzlicher Wassereinbruch den Tonabbau in der damaligen Tongrube der Märkischen Ziegelei und Tonwarenfabrik zum Erliegen brachte. Heute gibt es rund um den renaturierten See einen Wanderweg mit vielen Sitzgelegenheiten. Besonders lohnt ein Besuch am letzten August-Wochenende. Dann feiert Premnitz an der nördlichen Seite des Sees das Dachsbergfest.

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