Zeitung Heute : Von früh bis spät

Bei Privatschulen ist auch Ganztagsbetrieb gefragt

Katja Gartz

Seit einem Jahr können Grundschulen beim Senat Fördermittel beantragen, um ihre Einrichtung zur Ganztagsschule auszubauen. Von 34 Berliner Grundschulen in freier Trägerschaft haben bislang 15 Schulen Interesse daran bekundet. Fünf haben die Förderung beantragt: Die Best-Sabel, Klax und Schele Grundschule sowie die Katholischen Schulen Sankt Franziskus und Sankt Paulus.

„Da sich die Schule noch im Aufbau befindet, wollen wir mit der Förderung unsere Räumlichkeiten ausbauen“, sagt Susan Nixdorf, die Leiterin der Best-Sabel Schule. Die vor vier Jahren in Mahlsdorf eröffnete Ganztagsschule strebt drei Züge an. Der Andrang ist groß: Zu den 170 Schülern kommen im neuen Schuljahr 60 dazu. „Wir hätten 200 aufnehmen können, bis 2009 liegen schon Anmeldungen vor“, sagt die Leiterin. Kernzeit der Schule ist von acht bis 16 Uhr, Betreuungszeit von sechs bis 18 Uhr. Der Nachmittag wird mit Unterricht und Freizeitkursen gefüllt. Außerdem bietet die Schule: Englischunterricht ab der ersten Klasse, Spanisch oder Französisch sowie informationstechnisches Grundwissen ab der dritten Klasse. Das Schulgeld beträgt monatlich 300 Euro.

An der Katholischen Sankt Paulus Schule haben sich die Eltern für den Ganztagsbetrieb stark gemacht. „Unter ihnen sind viele Berufstätige und Alleinerziehende, die auf eine Nachmittagsbetreuung angewiesen sind“, sagt Schulleiter Christian Sprenger. Hinzu kommt, dass in Moabit aufgrund des Senatskonzepts zur Ganztagsbetreuung von Grundschülern viele Horteinrichtungen schließen. Demzufolge werden die Hortplätze an die Grundschulen verlagert. Derzeit laufen erste Vorbereitungen für den Ganztagsbetrieb: „Wir probieren verschiedene Essensdienste aus und versuchen Betreuungsräume zu schaffen“, berichtet der Schulleiter. Monatlich beträgt das Schulgeld 32 Euro plus Hortkosten.

Bei den zehn Katholischen Grundschulen besteht großes Interesse an dem Ganztagsmodell. „Schüler müssen sich heute mit immer mehr Lerninhalten auseinander setzen, an einer Ganztagsschule haben sie dazu mehr Zeit“, sagt Schulrätin Angela Schneider vom Erzbistum Berlin. Der schnellen Einführung der Ganztagsschulen steht die Schulrätin jedoch skeptisch gegenüber: „Die Räumlichkeiten allein sorgen nicht für ein besseres PISA-Ergebnis.“

Ebenso an dem Ganztagsbetrieb interessiert sind die acht Evangelischen Grundschulen. Wie die Katholischen Schulen favorisieren sie die offene Form. Doch die Finanzierung des laufenden Ganztagsschulbetriebs, sorgt bei den Schulträgern für Unsicherheit. „Entscheidend für die Realisierung der Nachmittagsbetreuung ist, ob wir mit höheren Personalzuschüssen rechnen können“, sagt der Evangelische Kirchenschulrat Manfred Hermann. Nach Auskunft der Senatsschulverwaltung erhalten auch freie Ganztagsschulen den Personalkostenzuschuss von 93 Prozent.

Die Finanzierungsfrage lässt ebenfalls die Waldorfschulen zögern. „Um Ganztagsschulen sinnvoll zu gestalten, müssten die Schulen auch nach dem Ausbau unterstützt werden“, sagt Sprecher Detlef Hardorp. Er bedauert außerdem, dass das Investitionsprogramm nur auf Grundschulen zutrifft. Die im Familienbetrieb geführte Grundschule ist bereits seit 1985 gebundene Ganztagsschule. Das Schulgeld beträgt dort 500 Euro monatlich.

Mit dem Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ unterstützt der Bund die Länder bis zum Jahr 2007 mit vier Milliarden Euro beim Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen. Mit dem Programm sollen die Qualität des Unterrichts an den Schulen verbessert sowie mehr Förderangebote für Schüler geschaffen werden.

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