Zeitung Heute : Von ihm lernen heißt siegen lernen

Willi Hausmann will nichts mehr werden. Das ist gut, so kann er Angela Merkel ganz offen beraten

Tom Levine

Willi Hausmann muss sich beeilen. Er will nach Amerika, seine Tochter, vor allem aber seine beiden Enkel besuchen. Das hatte er sich versprochen, als er vor eineinhalb Jahren sein Amt als Bundesgeschäftsführer der CDU aufgab – er wollte die Kindeskinder aufwachsen sehen. Der Älteste der beiden Kleinen ist jetzt zweieinhalb Jahre alt. Sechs Wochen will der Großvater bleiben, „die Enkel sind mein Hobby“, sagt er.

Wenn er mal so lange bleiben wird. Willi Hausmann dürfte auf der Liste von Leuten, die die designierte Kanzlerkandidatin Angela Merkel in den nächsten Wochen um sich wissen möchte, ziemlich weit oben stehen. Hausmanns Name mag selten in den Zeitungen zu finden sein, sein Gesicht nur in Ausnahmefällen auf Wahlkampffotos zu sehen und garantiert nie in den einschlägigen Talkshows, für Merkel aber ist Hausmann in Zeiten wie diesen unverzichtbar. Er ist nicht nur einer der besten Strippenzieher in der Union, er ist auch sehr loyal.

Dass der 62-Jährige in der Öffentlichkeit so wenig vorkommt, hat etwas mit seinem Naturell zu tun. Etwas nachgerade Beamtenhaftes bescheinigen Wegbegleiter dem kurzen Rheinländer: „Er ist ausgesprochen freundlich, zurückhaltend, loyal, bescheiden“, heißt es, „dabei aber keineswegs jemand, der dann als Mensch nicht vorkommt.“ Hausmann sei gerne unter Menschen, komme aber ohne jede Allüren aus. Der Jurist habe sich in den Jahren, in denen er in der CDU-Parteizentrale die Geschäfte führte, den Ruf eines sympathischen Kollegen erworben. Er habe immer „erhebliches Gespür für die Mitarbeiterführung“ gezeigt, so ein früheres Mitglied der Unionsspitze, ein „im besten Sinne kameradschaftlicher“ Mensch.

Auch in den Ländern, wo man das Treiben der CDUBundeszentrale traditionell mit Misstrauen beäugt, hat Hausmann einen guten Ruf. „Freundlich, aber nicht unbestimmt, kompetent und fleißig“ ist das Urteil, das man über den Rheinländer im Berliner Auftrag bei der CDU Nordrhein-Westfalen fällt. Bei denen ist Hausmann zuletzt aufgefallen. Er hat ein bisschen dabei geholfen, die Wahl zu gewinnen.

Jürgen Rüttgers hatte den in Bonn ansässigen Hausmann nach Düsseldorf gebeten, nachdem Merkels Einsatzbeamter für besondere Angelegenheiten in Schleswig-Holstein Erstaunliches geleistet hatte. Merkel hatte Hausmann im Oktober 2004 nach Kiel entsandt, nachdem der dortige Spitzenkandidat Peter Harry Carstensen sich wochenlang als Meister der Fehlentscheidung und des Fettnäpfchens bekannt gemacht hatte. Hausmann sortierte das Wahlkampfteam, bereitete die Fernsehduelle zwischen Carstensen und der SPD-Ministerpräsidentin Heide Simonis vor und legte Streitigkeiten in der Landes-CDU bei. Dabei habe ihm, so ein parteiinterner Beobachter, seine verbindliche Autorität geholfen: „Hausmann kann schon von seinem Lebensalter her so gut wie allen etwas sagen. Er ist ein Ermutiger, intelligenter Anreger, kann Zusammenhänge herstellen.“ Und er ist wie gesagt loyal: erstens Merkel und zweitens demjenigen gegenüber, der gerade eine Wahl gewinnen will. Carstensen durfte nach außen hin weiter den starken Mann markieren. Hausmann war nicht Wahlkampfleiter, wie es anfangs hieß, sondern ein Berater, der dem personell schwach aufgestellten Landesverband unter die Arme griff.

Auch Jürgen Rüttgers bat Hausmann, ihm bei der Vorbereitung der Fernsehduelle mit SPD-Regierungschef Peer Steinbrück zu helfen. Anders als bei Carstensen mussten bei Rüttgers keine Formulierungshilfen gegeben werden: Hausmann beriet eher taktisch. Er war es, der den nordrhein-westfälischen Christdemokraten empfahl, bei den Duellen nicht zu viel Gas zu geben und zu warten, bis Steinbrück in die Defensive gerate.

Entsprechend zurückhaltend führte Hausmann die Verhandlungen mit Sendern und dem Steinbrück-Team. Ein bisschen konnte Hausmann den Kandidaten auch coachen: „Er ist der Einzige gewesen, der auf Rüttgers einwirken konnte“, heißt es aus dem Landesvorstand – die beiden kennen sich eben schon lange.

Rüttgers holte Hausmann dann auch in sein Wahlkampfteam; als „unabhängigen Ratgeber“, der vor allem den Draht nach Berlin kurz halten sollte.

Die Rolle eines wichtigen Beraters wird Hausmann wahrscheinlich auch im Bundestagswahlkampf der Union spielen. Seine entscheidende Stärke, so ein Merkel-Vertrauter, liege in dem einfachen Umstand, dass Hausmann nichts mehr werden wolle, keine persönlichen Interessen verfolge. Er müsse sich vor einer möglichen Kanzlerin nicht verstellen, um in ihrer Gunst zu bleiben, sondern könne sie frei heraus auf Fehler hinweisen, ihr unerbetene Ratschläge geben.

Merkel und Hausmann kennen sich schon aus den Zeiten des Einigungsvertrages. Die CDU-Chefin war damals stellvertretende Regierungssprecherin, Hausmann Vizechef der Grundsatzabteilung beim Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble.

Die Zweckfreundschaft hat bis heute gehalten. Als Angela Merkel 1991 unter Helmut Kohl Frauenministerin wurde, machte sie Hausmann zum beamteten Staatssekretär. Sieben Jahre später, nach ihrer Zeit als Umweltministerin und der verlorenen Bundestagswahl, lockte die neue CDU-Generalsekretärin den Bonner Rechtsanwalt in das Berliner Konrad- Adenauer-Haus. Dort musste Hausmann sich durch den Sumpf der Spendenaffäre kämpfen und sich der Eifersüchteleien der alten Kohl-Getreuen erwehren. Am Ende seiner Amtszeit im November 2003 galt Hausmann längst als graue Eminenz im Haus und als der einzige Mann, der es an Einfluss auf die Chefin mit der so genannten „Mädchen-Gang“ um Merkels Büroleiterin Brigitte Baumann aufnehmen konnte.

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