• Von Langnasen und Stupsnasen: Alle Menschen stammen von schwarzen Urururururgroßeltern ab, aber im Lauf der Zeit haben wir uns verändert

Zeitung Heute : Von Langnasen und Stupsnasen: Alle Menschen stammen von schwarzen Urururururgroßeltern ab, aber im Lauf der Zeit haben wir uns verändert

Ute Scheub

Fallen Babys bei der Geburt in einen Farbtopf? Oder wieso haben manche Menschen weiße und andere schwarze Haut? Warum haben Asiaten Stupsnasen und Europäer solche Zinken, dass sie in Asien "Langnasen" genannt werden? Sind das Rassenunterschiede? Gibt es Rassen, die dümmer oder bösartiger sind als andere?

Nein, sagen die Wissenschaftler. Dummheit oder Bosheit sind leider so gleichmäßig auf der ganzen Welt verteilt wie der Käse auf der Pizza. Ob jemand ein kluger oder ein guter Mensch wird, hängt hauptsächlich davon ab, wie gut er behandelt und gefördert wird. Nur Rassisten behaupten, das hinge von der Hautfarbe oder der "Rasse" ab. Rassisten sind Leute, die anders Aussehende beschimpfen, verfolgen und verprügeln. Sie behaupten, ihre eigene "Rasse" sei die beste, schönste, klügste.

Blödsinn, entgegnen Wissenschaftler. Es gibt nämlich überhaupt keine Rassen. "Es gibt nur eine Menschenrasse - den Menschen", sagt der Genetiker Luca Cavalli-Sforza. Genetiker sind Wissenschaftler, die Erbanlagen erforschen, Gene genannt. Ob ein Baby schwarze oder blonde Haare bekommt, wird von den Genen gesteuert, die in allen Körperzellen sitzen. Von den rund 100000 Genen in unseren Zellen sind es gerade mal sechs, die unsere Hautfarbe bestimmen. Zwischen den Genen von Schwarzhäutigen und Weißhäutigen gibt es also fast keine Unterschiede.



Die Genetiker haben inzwischen auch herausgefunden, warum das so ist: Die gesamte Menschheit stammt von wenigen Tausend schwarzen Adams und Evas ab, die in Afrika lebten. Auch der bleichgesichtige Nazi, der dir etwas von der "Überlegenheit der weißen Rasse" erzählen will, hat schwarze Urahnen, ob es ihm passt oder nicht. "Wir alle sind Brüder und Schwestern", sagt der Genetiker Svante Pääbo.

Die Schwärze ihrer Haut schützte unsere Vorfahren vor zuviel Sonne. Dennoch begannen sie in den kühleren Norden zu wandern, als vor rund 100000 Jahren das Klima in der Steppe immer heißer wurde. Vor etwa 60000 Jahren erreichten sie Südostasien und Australien, vor 40000 Europa, vor 20000 Amerika.

Mit der Zeit passte sich das Aussehen unserer Ahnen dem Klima in ihrer neuen Heimat an. Die australischen Ureinwohner sind heute noch so dunkel wie die Afrikaner, sie leben ja auch in einem ähnlichen Klima. Die frühen Ackerbauern in Europa hingegen konnten nur deshalb überleben, weil ihre Haut immer heller und ihre Nasen immer länger wurden. Lange Nasen sind ein gewisser Schnupfenschutz. Sie sorgen in kaltem Klima dafür, dass die Atemluft erwärmt wird. Und weiße Haut kann leichter von der Sonne durchdrungen werden, so dass sich lebenswichtiges Vitamin D in unserem Körper bildet. Die Eskimos am Nordpol hingegen hatten es nicht nötig zu erbleichen, ihre Lieblingsmahlzeit Fisch enthielt genügend Vitamin D. Dafür aber haben sie Augenlider, die besser als unsere die Augen vor Schneestürmen schützen.



Du glaubst das alles nicht? Leg dich in die Sonne, und deine von schwarzen Urururururgroßeltern ererbten Gene werden deiner Haut befehlen: werde braun.

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