Zeitung Heute : Von links

Militante Gruppen melden sich zurück

Frank Jansen

Sie zünden Brandsätze und gefährden mit Hakenkrallen den Bahnverkehr – die militante Fraktion der deutschen Linksextremisten meldet sich zurück. Der drohende Krieg wird offenbar zum Anlass genommen, fünf Jahre nach dem Ende der Roten Armee Fraktion wieder stärker auf gewaltsame Aktionen zu setzen. So brannten am 26. Februar im brandenburgischen Eggersdorf zwei DaimlerChrysler-Geländewagen der Bundeswehr ab. Zur Tat bekannte sich die vermutlich aus Berlin stammende „militante gruppe (mg)“. In ihrer „Anschlagserklärung“ heißt es, „vor dem Hintergrund des drohenden Angriffskrieges gegen den Irak“ seien gewaltsame Aktionen eine „politische Notwendigkeit der radikalen Linken in der BRD“. Die „militante gruppe“ holt dann verbal zum Rundumschlag aus: Attackiert werden nicht nur die USA, auch die rot-grüne Bundesregierung und Konzerne wie DaimlerChrysler zählen zu den „Kriegsparteien rund um den Globus“.

Einen weiteren Anschlag, ebenfalls in Brandenburg, werten die Sicherheitsbehörden auch als militanten Protest der linksextremen Szene gegen den bevorstehenden Krieg. Am Montag fuhr der ICE 946 in eine Hakenkralle, die an der Oberleitung hing. Der Zug wurde leicht beschädigt. Kurz darauf entdeckte der Bundesgrenzschutz eine zweite Hakenkralle. Auch wenn Bekennerschreiben fehlen, vermuten die Sicherheitsbehörden linksextreme Kriegsgegner als Täter.

„Es wird Zeit, den Krieg auch hier zu stoppen“, heißt es auf einer antifaschistischen Homepage, „dabei werden keine Gebete und keine Lichterketten helfen, sondern nur die Tat“. Dann werden Orte genannt, von denen amerikanische und britische Soldaten ins Krisengebiet verlegt werden. Das „Positionspapier“ endet mit den Parolen „Es gibt viel zu tun, packen wir es an! Gegen Deutschland! Rot/Grün demaskieren! Desertiert, Sabotiert, Verweigert! Nachschubwege angreifen!“

Für den „Tag X“ plant die linke Szene bundesweit zahllose Demonstrationen und Aktionen zivilen Ungehorsams. Militante und friedliche Linke haben jedoch ein Problem: Bei den Protesten wollen Rechtsextremisten mitmischen. NPD und DVU rufen ihre Anhänger auf, sich den Protesten anderer Gruppen anzuschließen. „antifa.de“ gibt die Antwort: „Konsequent rausschmeißen.“

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