Zeitung Heute : Von Pleiten bis Storno

tdt W.B.

Pleite. Nicht nur Reiseveranstalter müssen ihre Kunden per Sicherungsschein vor einer möglichen Pleite schützen. Auch Ferienparks, die Unterkunft und Freizeitangebot mittels Katalog verkaufen, haben so zu handeln. Dies stellt der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen: I ZR 171/97) jetzt in einem Urteil fest.

Die Richter verwarfen das Argument, Betreiber von Ferienparks seien - im Gegensatz zu Pauschalreiseveranstaltern - selbst Erbringer der Leistung. Maßgeblich sei allein die Sicht des Reisekunden. Die in den Katalogen angepriesenen Offerten versetzten ihn in den Glauben, einen Kurzurlaub in Form einer Pauschalreise zu buchen.

Versicherung. Hat ein Urlauber eine Reiserücktransportversicherung abgeschlossen und kommt es im Ausland (hier: in Griechenland) zum Fall der Fälle, beispielsweise wegen der Gefahr eines lebensbedrohlichen Harnstaus, so kann die Versicherung die Übernahme der Flugkosten (hier: 24 000 Mark) nicht mit der Begründung reduzieren (hier: auf 6000 Mark), der Heimflug sei unverhältnismäßig teuer gewesen. (Urteil am Oberlandesgericht Köln, Aktenzeichen: 5 U 109/98)

Mahlzeit. Gibt ein Reiseveranstalter im Prospekt an, dass während einer Sieben-Tage-Reise im Rahmen der Halbpension "alle Mahlzeiten in Büfettform" geboten werden, so muss es 14 solcher Essen geben; der auf den Flügen gereichte Imbiss darf dabei nicht mitzählen. (Urteil des Amtsgerichts Neuss, Aktenzeichen: 44 C 318/99)

Hänger. Nimmt ein Urlauberehepaar an einer Jeep-Safari teil und vertrauen sie auf die Fahrkünste eines Miturlaubers, so können sie von ihm keinen Schadenersatz wegen grober Fahrlässigkeit verlangen, wenn dieser einen Unfall verursacht, weil er falsches Schuhwerk getragen hat und zwischen den Pedalen hängenblieb. Vielmehr hätte sich das Ehepaar an einen professionellen Fahrer wenden müssen. (Urteil am Oberlandesgericht Hamm, Aktenzeichen: 26 U 21/99)

Gipsbein. Bucht eine Frau eine Rundreise, so kann sie nicht die vollen Leistungen aus ihrer Reiserücktrittskostenversicherung beanspruchen, wenn sie sich drei Wochen vorher den Fuß bricht, die Reise aber erst zu spät storniert - da ein längerer Heilungsprozess abzusehen war und die Reise nur mit Gipsbein hätte absolviert werden können. Die Versicherung muss nur den Stornosatz tragen, der bei sofortigem Rücktritt angefallen wäre. Im vorliegenden Fall hätte das 18 Prozent ausgemacht. (Urteil des Amtsgerichts Berlin-Wedding, Aktenzeichen: 16 C 293/98)

Entfernt. Flugkapitäne sind berechtigt, Passagiere, die nicht bereit sind, beim Start angeschnallt in einer aufrechten Position zu sitzen, notfalls (hier: mit Polizei-)Gewalt aus der Maschine zu entfernen. Dieses wurde auf dem Flughafen von Palma de Mallorca bei einer Frau praktiziert, die "aus gesundheitlichen Gründen" - wie sie angab - drei Plätze gebucht hatte, um den Flug liegend absolvieren zu können. (Urteil am Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Aktenzeichen: 12a C 255/97)

Storno. Was tun, wenn eine Reise aus dringendem Grund storniert werden muss? Die Höhe der Stornierungskosten für eine nicht angetretene Reise orientiert sich in der Regel prozentual am Reisepreis. Je früher der Rücktritt erfolgt, desto niedriger die Kosten. Bei einem Rücktritt vom sechsten Tag vor dem Start an können die Stornokosten bereits 50 Prozent des Reisepreises betragen. Bevor der verhinderte Urlauber die Stornokosten bezahlt, sollte er folgende Alternativen beherzigen

Er kann versuchen, einen "Ersatzmann" im Kollegen- oder Freundeskreis zu finden. Auch eine Kleinanzeige im Reiseteil der regionalen Tageszeitung kann zum Erfolg führen. Im Internet gibt es darüber hinaus Reisebörsen, die sich auf die Vermittlung bereits gebuchter Reisen spezialisiert haben. Hat man einen Ersatzmann gefunden, wird die Reise auf dessen Namen umgeschrieben. Das Vertragsverhältnis allerdings bleibt zwischen dem ursprünglichen Reisenden und dem Veranstalter bestehen. Zahlt der Ersatzmann die noch ausstehenden Raten nicht, kann der Veranstalter den Reisepreis vom Erstbucher einfordern.

Auch durch eine Reisekosten-Rücktrittsversicherung können finanzielle Verluste abgefedert werden. Diese Investition lohnt sich vor allem bei teuren und lange im Voraus gebuchten Fernreisen. Die Kosten für die Versicherung betragen meist ein Prozent des Reisepreises. Die Versicherung erstattet die Stornierungskosten bis auf einen Selbstbehalt von meist 50 Mark zurück. Jeder Reiseteilnehmer muss eine Versicherung für sich selbst abschließen. Die Versicherung deckt jedoch nur einen Teil der möglichen Rücktrittsgründe, wie zum Beispiel Unfall, eine Erkrankung des Reisenden, Todesfälle in naher Verwandtschaft und Arbeitslosigkeit.

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