Zeitung Heute : Von Preußen lernen

Der Tagesspiegel

Wustrau / Berlin. Ehrhardt Bödecker sorgt sich um Deutschland. Auch im Interview: „Was sind Sie? Jahrgang ’61? Da müssten Sie sich doch auch Gedanken machen, wie das hier weitergehen soll.“

Bödecker treibt die „grauenhafte Situation in Europa und in der Bundesrepublik“ schon lange um. Jetzt hat der ehemalige Eigentümer und jetzige Aufsichtsrat der Weberbank in einigen Zeitungen Anzeigen geschaltet. Darin ruft er alle Parteien auf, endlich die Neuordnung der Bundesländer in Angriff zu nehmen. Den Luxus von 16 Ländern mit Parlamenten, Ministerien und doppeltem Verwaltungsaufwand könne sich Deutschland nicht mehr leisten, argumentiert er. Seinen Vorschlag für künftig nur noch acht Bundesländer fügte er gleich bei. „Dabei habe ich historische, geografische und wirtschaftliche Kriterien berücksichtigt“, sagt Bödecker. „Danach gehören beispielsweise Hessen, die Pfalz und das Saarland zusammen. Sachsen-Anhalt und Vorpommern liegen traditionsgemäß im künftigen Land Brandenburg und Bremen gehört endlich zu Niedersachsen.“

Bödecker, einst zweitgrößter deutscher Privatbankier, hat in jüngster Zeit vor allem mit seiner Liebe zu Preußen für Schlagzeilen gesorgt. In Wustrau, kurz vor Neuruppin, errichtete er das Brandenburg-Preußen Museum, das auch in der Anzeige auftaucht. „Als Bankdirektor habe ich früher oft PR-Anzeigen zu politischen Themen geschaltet“, erzählt der 76-Jährige. Und zieht natürlich Parallelen zum großen Vorbild Preußen, um die Unhaltbarkeit der gegenwärtigen Zustände zu verdeutlichen: „34 Beamte haben im preußischen Kultusministerium sämtliche Schulen, Hochschulen und ähnliche Einrichtrungen verwaltet. Dafür braucht man heute 74 000 Beamte. Der Wasserkopf treibt die Steuerzahler in den Ruin.“

Von der Anzeige erhofft sich Ehrhardt Bödecker öffentliche Aufmerksamkeit. Ein paar Journalisten haben immerhin schon angerufen. Ein paar Privatleute auch. Von den Politikern hat niemand reagiert. Offenbar teilt keiner Bödeckers Sorge um Deutschland. Aber das hat er – sagt er – von ihnen auch gar nicht erwartet. Sandra Dassler

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