Zeitung Heute : VON TAG ZU TAG

Der Tagesspiegel

Von Andreas Conrad

Der Keim des Komischen nistet stets im Heterogenen. Dinge, die man im Traum nicht zusammenzwingen würde, begegnen einem plötzlich in kurioser Konstellation, und ob man will oder nicht, man muss loskichern. So geschah es vor langen, langen Jahren einem Formel-1-Piloten – der Name tut nichts zur Sache –, dass er auf heimischem Grund mit seinem Gartentraktor ins Schleudern geriet und kläglich im Dreck landete. „Olympiasieger im Stabhochsprung stürzt beim Satz über die Teppichkante“ - solche Vorfälle sollte man verbieten, wenn es denn ginge. Nirgends sonst tritt die Häme des Schicksals so unverblümt zutage. Der - so oder so - Gestürzte hat nicht nur den Schaden, sondern auch den Spott zu tragen. Im Kino würde man nur den Kopf schütteln über so viel realitätsfernen Erfindungsreichtum. Aber wie reagieren, wenn einem Derartiges tatsächlich zustößt?

Und das steht nun außer Frage:Der schöne metallicblaue Mercedes von Fritz Wepper ist weg. Abgestellt hatte er ihn vor dem Hotel „Am Griebnitzsee“ in Potsdam-Babelsberg, als er zurückkam, war der Parkplatz leer. Das Leben ist eben ungerecht. Wäre Sean Connery solches passiert, würde doch jeder darüber sinnieren, wie 007 reagiert hätte. Aus einem Kugelschreiber die Mine antennengleich rausgezogen und –wumm!–hinten draufgedrückt? Oder hä tte der Aston Martin den unbefugten Nutzer auf ein Pfeifsignal kurzerhand rauskatapultiert und wäre umgekehrt? Mit Fritz Wepper aber kann man nur Mitleid empfinden:Harry arbeitslos! Sein Chef ohne Fahrer! Und der geklaute Benz hat zu allem Ü berfluss noch einen integrierten Fernseher! Der Dieb im Wagen juxend vor einer Derrick-Folge - eine quälende Vorstellung.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!