Zeitung Heute : Von Tag zu Tag

Der Tagesspiegel

Von Christian van Lessen

Alle schimpfen auf die Krater in den Straßen. So groß wie jetzt waren die Schlaglöcher noch nie, sagen die Leute. Aber sie sagen es jedes Jahr. Nur diesmal glauben immer weniger, dass wirklich irgendwann auch repariert wird. Die Autofahrer fürchten ernsthafter als sonst um ihre Achsen, manche Radfahrer haben den Alptraum, unbemerkt in einem Loch zu verschwinden. Auch Fußgänger schauen misstrauisch in die Tiefe.

Vielleicht hat sich die Baugewerks-Innung Berlin schon häufiger öffentlich zu Wort gemeldet, aber richtig bemerkt haben wir sie erst jetzt. Sie teilt uns mit, dass es so nicht weitergehen kann. Nach jeder Frostperiode beginne das gleiche Ritual, das allgemeine Gejammer. In den Löchern verschwänden verschwenderisch öffentliche Mittel: Mit Kalt-Asphalt und unzureichender Verdichtung würden die Schäden nur augenfällig behoben, damit die Volksseele ihre Ruhe habe.

Sach- und fachgerecht werde nur jedes vierte Loch repariert, und die Innung klärt uns auf, wie das geht: sauberer Einschnitt, sorgfältiges Entfernen des maroden Belags, Grundieren und Füllen mit geeignetem Asphalt. Dann noch mal die Anschlüsse einschneiden und mit Vergussmasse vergießen.

Das sei zwar teurer, halte aber problemlos wenigstens zehn Jahre. Zur Not tue es, angesichts der knappen Kassen, auch ein Lehm-Sand-Gemisch, sagt die Innung der Straßenbaubetriebe. Vielleicht wussten es einige Mitgliedsunternehmen selbst nicht.

Nun aber wissen alle, wie Löcher auf der Straße zu füllen sind. Wie die Löcher im Berliner Haushalt zu stopfen sind, lernen wir vielleicht in den nächsten Tagen. Saubere Schnitte sind schon mal ein guter Anfang.

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