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Der Tagesspiegel

Von Bernd Matthies

Doppelhaushalt, das klingt nach was. Nach doppelter Buchführung, doppeltem Boden, doppelter Absicherung - suchen Sie sich was aus. Aus der Opposition ist sogar die Interpretation zu hören, es handele sich um doppelten Unfug, weil erstens zu wenig Geld ausgegeben und zweitens zu wenig gespart werde. Ja, wenn der Senat das rechtzeitig gewusst hätte!

Nun ist es zu spät, nun kann nur noch äußerste Kreativität den Ruin der Stadt verhindern. Ein kleiner Schritt auf diesem Weg ist es, alle auswärtigen Studenten zur Einnahme eines ersten Wohnsitzes in der Stadt zu zwingen. Bislang wohnen sie offenbar einfach so in der Stadt, sind aber heimtückisch weiter in Oschatz-Zöschau oder Ballrechten-Dottingen gemeldet, was den jeweiligen Ländern Staatsknete aus dem Länderfinanzausgleich bringt. Falls sich das ändert, bekommt Berlin pro 10000 Studenten 29 Millionen Euro zusätzlich, und das wäre nur der Anfang. Nehmen wir die Bundestagsabgeordneten: Sie würden, sofern einberlinert, nicht nur Finanzausgleich bringen, sondern auch Steuern im Überfluss. Und erst die Touristen: Schlagen würden sie sich um die Einbürgerungsurkunde für die Dauer ihres Aufenthalts! „Ich bin ein Berliner“ ginge ihnen leicht wie nix über die Zunge.

Das Dumme ist nur: Die anderen Länder dürfen den Trick nicht merken. Sonst holen sie sich das Geld über die Berliner Studenten an ihren Universitäten zurück. Am besten wäre es zweifellos, alle Deutschen zu Berliner Erst-Bürgern zu machen. Das Bisschen Solidarität hätten wir verdient, nicht wahr?

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