Zeitung Heute : VON TAG ZU TAG

Der Tagesspiegel

Von Ekkehard Schwerk

Zwischen Westkreuz und Savignyplatz fiel das Gegenüber in der Stadtbahn dadurch auf, dass es schniefend nach einem kraftlosen Klümpchen aus der Jacke langte, das einmal ein Papiertaschentuch war. Wer kennt solche Notlage nicht. Zwischen Savignyplatz und Zoo war das Angebot fällig. Dafür braucht es keiner Worte, nur einer diskreten Handreichung. In unserer Zeit, in der viel von „Kontakt- und Kommunikationszentren“ die weiß-schimmelige Rede ist , kann ein Papiertaschentuch hilfreich-distanzierte Tuchfühlung bewirken. Das linnene oder sogar seidene Kavalierstuch in der linken Anzugsjackentasche längst vergangener Zeiten diente Kino-Charmeuren als Tränentupfer für hilflos heulende Weibchen. Der Kavalier und seine weibliche Garnierung sind längst perdu. Unsere Papiertaschentücher sind mehr wert. Sie helfen auch einem nasetriefenden Mann, sofern er einer Frau gegenübersitzt, die Manns genug ist, ihm aus solcher Patsche zu helfen.

Oder umgekehrt wie in einem ähnlich gelagerten Fall. Die Frau hatte kein Taschentelefon, stand an verabredetem Platz und saß auf Kohlen; denn sie hatte sich ziemlich verspätet. Sie fragte einen Vorübergehenden, ob er ihr sein Telefon für einen rettenden Anruf kurz borgen wolle. Er wollte. Und so konnte eine Situation gerettet werden, die sich der „Retter“ nur ausmalen konnte; denn er ist ein Mann mit der Eigenschaft, die darin besteht, dass er auf strikter Pünktlichkeit besteht. Unsere Zeit ist darauf eingestellt.

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