Zeitung Heute : Von Tisch zu Tisch

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Von Bernd Matthies

Die kulinarische Globalisierung. Gähn, ja, ist ja schon gut. Aber ist es nicht doch verblüffend, zu sehen, wie sich die asiatischen Küchen - vor allem wohl außerhalb von Asien - ebenso vielfältig und spannend miteinander vermischen, wie es die europäischen schon seit fast zwei Jahrzehnten tun? Der anspruchsvolle Gast will heute immer weniger auf einen Pflichtkatalog von Gerichten festgelegt werden, er ist an kulinarischen Reinheitsgeboten nicht mehr interessiert.

Das trifft gerade die sehr unbewegliche japanische Küche. Sushi und Sashimi in traditioneller Art - das ist allenfalls noch was für den Diät-Lunch, aber seit dem vorzeitigen Tod der New Economy auch nicht mehr in Mode. Tempura - immer gleich, Sukiyaki auch nicht origineller als Tante Helgas Käsefondue. Und selbst das Herumwirbeln von Nahrungsmitteln auf heißen Edelstahlplatten verliert seinen exotischen Reiz spätestens dann, wenn der Koch sich als gebürtiger Berliner zu erkennen gibt. Also wird der kluge japanische Koch versuchen, sich auch thailändische und chinesische Einflüsse zu eigen zu machen und vor allem nachsehen, was sich auf diesem Gebiet in Amerika tut.

Das "Panasia" in Mitte war ein Vorreiter, das "Kuchi" in Charlottenburg ein anderer, kleinerer. Nun gibt es ein zweites "Kuchi" in Mitte, es ist verblüffend gut - und knapp einen Monat nach Eröffnung verblüffend voll. (Was zu einem gewissen Teil auch daran liegt, dass einige aufgekratzte, rolextragende, permanent telefonierende Bizniss-Russen es entdeckt haben.) Das Geheimnis: Man ist nicht zu kompliziert, aber handwerklich perfekt. Die Räume des verblichenen "Fournier", die bei schlechtem Wetter deutlich an ein halb fertiges Sozialamt erinnern, wurden ein wenig bunt aufgehübscht, aber wenn alles voll ist, spielt das sowieso keine große Rolle.

Der ganze Katalog der Sushi und Sashimi ist hier ins nahezu Unüberschaubare gewendet und durch eine Fülle von "Inside out" und "Extreme"-Varianten aufgefüllt. Wir ließen uns acht "Extreme Special" kommen, acht dicke Dinger, die man beim Essen mit Stäbchen eigentlich nur komplett in den Mund schieben kann, was nicht gerade graziös aussieht und bei Ungeschick mit einem Klatsch auf den Soja-Teller richtig daneben geht. Drinnen stecken Tempura-Garnelen, Fisch, Gemüse, mit dem Reis außen, raffiniert gewickelt, scharf und mild und süß, mit den traditionellen Beigaben - sehr gelungen insgesamt. (13 Euro, die volle Sushi-satt-Ladung für vier kostet maximal 55 Euro).

Auch der Teller mit den gemischten Vorspeisen (17 Euro für zwei) bot einen angenehmen Überblick vom süß angemachten Spinat über den traditionellen, scharfen Kim-Chi-Chinakohl, über herrlich kross fritierten Butterfisch mit Zitrone, über Tempura-Auberginen mit leicht gesüßtem Fond bis hin zu ein paar (etwas trockenen) Yakitori-Spießen, wohl überwiegend aus Geflügel. Die freilich wären unnötig gewesen, weil wir weitere als Hauptgang bestellt hatten - aber der Service wird sich sicher noch besser einspielen und solche Doppelungen bemerken, aufmerksam und freundlich ist er schon jetzt.

Die Hauptgang-Spieße waren dann auch besser, zumal das Angebot vielfältiger ist, Lamm, Fisch, Gemüse. Auffällig der Tintenfisch-Spieß, der nur mit erstklassiger Frischware so zart wird wie hier. Schließlich ein modernes Thai-Gericht, Red Snapper auf rotem Curry mit Gemüsen, der zwischen sanfter Schärfe und Kreuzkümmel-Drastik gut ausbalanciert war, leider ein wenig übergart (bei günstigem Preis: 13,50 Euro). Getrunken wird so bunt durcheinander, dass ich mal keine Ratschläge gebe, außer, dass es im winzigen Weinangebot einen guten südafrikanischen Sauvignon blanc (De Wetshof, 5 Euro für 0,2 l) gibt. Insgesamt rechne man für ein Essen zu zweit mit gut 50 Euro, ein Gelage kann auch das Doppelte kosten. Das ist gemessen am Spaßfaktor ein hervorragendes Angebot.

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