Zeitung Heute : Von Waden und echten Männern

Philipp Köster nimmt Ballacks Probleme nicht ernst.

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So schnell geht das. Gerade mal drei Spieltage sind herum und schon ist WM-Routine eingekehrt. Abgebrüht lassen wir pünktlich um drei Uhr nachmittags alle niederen Arbeiten ruhen und wimmeln eingehende Anrufe mit dem Hinweis ab, die Verbindung sei gerade ganz schlecht, wir führen just in diesem Moment durch einen Tunnel. Auch wenn wir auf dem Festnetz angerufen wurden. Stattdessen hocken wir vor dem Fernseher und debattieren fachkundig die drängendsten Fragen: Wirkt es unglaubwürdig, jetzt noch Fan von Trinidad & Tobago zu werden? Was waren das eigentlich für komischen Flocken, die in Dortmund durchs Stadion wehten? Und darf man eigentlich nur argentinischer Verteidiger werden, wenn man sich vorher die Haare bis zum Schulterblatt wachsen lässt.

Vor allem aber sind wir schwer besorgt wegen Michael Ballack. Schließlich wollen wir doch Weltmeister werden, und das wird einigermaßen schwer ohne den einzigen Mann im deutschen Mittelfeld, der sich nicht erschrocken hinter dem Gegenspieler versteckt, wenn der Ball zufällig angehoppelt kommt. Aber die ärztlichen Bulletins aus dem deutschen Lager klingen uns immer noch zu verhalten.

Wobei uns ja schon ein bisschen verwundert, dass dem Ballack ausgerechnet die Wade zwickt. Das ist doch überhaupt keine ordentliche Fußballerverletzung, sondern eher was für Volleyballer. Fußballer haben dagegen immer was Ernstes am Meniskus. Oder einen ordentlichen Muskelfaserriss. Oder wenn es was Kompliziertes sein soll, eben was am Syndesmoseband. Aber an der Wade? Da fragt man sich doch, was als Nächstes kommt? Fällt Ballack gegen Polen aus, weil der Tennisarm wieder schmerzt?

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