Zeitung Heute : Von Waldläufern und Burgfräulein

Dicke Kumpels. Egal ob Zeltlager, Urlaub auf der Ritterburg oder Fußballcamp: Ferienlager sind wie dafür gemacht, Freundschaften zu schließen. Auch soziale Fähigkeiten werden trainiert, anderen helfen zum Beispiel oder Kompromisse eingehen. Foto: mauritius images
Dicke Kumpels. Egal ob Zeltlager, Urlaub auf der Ritterburg oder Fußballcamp: Ferienlager sind wie dafür gemacht, Freundschaften...Foto: mauritius images

Die guten alten Ferienlager heißen heute Feriencamps. Zu bieten haben sie Sport, Sprachen, Kontakte zu Gleichaltrigen – und hoffentlich auch gutes Essen. Die meisten Jugendlichen kommen begeistert aus den Gruppenferien zurück. Welche Reiseveranstalter gut sind, ist für Eltern aber nicht immer leicht zu erkennen.

Der 13-jährige Pascal hat schon den Kopf aus dem Turmfenster gesteckt und die Aussicht auf den Rhein ganz für sich allein gehabt, während die anderen noch von Rittern und Burgfräulein träumen. Der Schüler steht gerne früh auf, zwischen sechs und sieben Uhr, auch in den Ferien. Die hat er im vergangenen Jahr auf der Schönburg verbracht, einer Festung oberhalb der rheinland-pfälzischen Stadt Oberwesel. Am Rhein hat Pascal sein Englisch verbessert, denn immer mehr Veranstalter bieten auch in Deutschland Camps an, in denen Schüler an ihren Sprachkenntnissen feilen können. „Ich habe zwar schon Englisch gelernt, wollte mich aber verbessern“, sagt Pascal.

Nach dem Frühstück wurde seine Gruppe zwei mal zwei Stunden in der Weltsprache unterrichtet, der Schwerpunkt lag dabei auf der richtigen Aussprache und den grammatikalischen Grundlagen. „Nachmittags haben wir dann Fußball gespielt oder uns mit anderen Sportarten beschäftigt“, erinnert sich Pascal. Im Angebot waren aber auch Stadtbesuche oder Bastelstunden. Gekostet hat der einwöchige Aufenthalt, der vom Reiseveranstalter Offährte angeboten wird, rund 480 Euro.

Für ein ganz anderes Camperlebnis hat sich vor fünf Jahren Sonja Sprafke entschieden: eine Woche Mädchenfußball im nordrhein-westfälischen Radevormwald. „Gewohnt haben wir in der Jugendherberge“, sagt die heute 20-jährige. Sie habe sich damals sehr gefreut, eine Woche mit 100 fußballbegeisterten Mädchen zu verbringen. Trainiert wurde – je nach Leistungsstand und Alter – in drei Gruppen. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich auch im Jahr darauf gefahren bin“, sagt die sportliche junge Frau. Als sie volljährig wurde, wechselte Sonja Sprafke deshalb auf die Betreuerseite – und reiste als Praktikantin ins Camp des Reiseveranstalters Ferienfussball.de.

Im Prinzip können die Teilnehmerinnen in Radevormwald den lieben langen Tag lang um den Ball kämpfen: Nach dem Frühstück fangen die Mädchen gegen zehn Uhr mit dem Training an und kicken, bis das Essen fertig ist. „Nach der Mittagspause gehen viele Teilnehmerinnen dann wieder zum Training, wer möchte, kann aber auch andere Freizeitangebote wahrnehmen“, sagt Sonja Sprafke. Nach dem Abendessen könne man von Fußball zu Tischtennis oder Basketball wechseln. Auch mit einer Schnitzeljagd würden die Mädchen auf Trab gehalten. Die Kosten für die bewegungsintensive Fußballwoche liegen bei 290 Euro.

Das Angebot für Kinder- und Jugendferiencamps ist in den vergangenen Jahren immer stärker angewachsen: Neben Sprach- und Sportangeboten können die Teilnehmer sich zum Beispiel auf Detektivjagd begeben, in einem Diätcamp ihr Essverhalten überdenken oder ganz einfach einen entspannten Urlaub am Meer verbringen. Die Vielzahl der Möglichkeiten macht es Eltern und Schülern nicht gerade leicht, sich für ein Angebot zu entscheiden. Zumal Feriencamps bisher nicht auf den Checklisten bekannter Verbrauchertestinstitute zu finden sind.

Kriterien für die Auswahl hat aber zum Beispiel der Verband Reisenetz erarbeitet, in dem sich zahlreiche Anbieter von Jugendreisen zusammengeschlossen haben. Er empfiehlt, zunächst die Seriosität des Veranstalters zu überprüfen. Entscheidend seien die Qualität der pädagogischen Betreuung, ein vielfältiges Programmangebot und die Verpflegung am Ferienort. „Eltern sollten sich beim Veranstalter telefonisch über die Angebote informieren“, rät Reisenetz-Sprecher Ludwig Ottenbreit. Und sich vor allem nach dem Betreuungskonzept erkundigen. Wichtig sei auch, dass die mitreisenden Betreuer Erfahrung darin hätten, sich um verschiedene Altersgruppen zu kümmern. Denn oft betrage die Altersspanne zwischen den Teilnehmern bis zu zwölf Jahre.

Bei der Frage, wo ein gutes, besonders günstiges Angebot aufhört und ein unseriöser Dumpingpreis anfängt, will sich der Verband nicht festlegen. „Man kann aber davon ausgehen, dass allein schon die Betreuer für eine Wochenreise pro Teilnehmer zwischen 50 und 80 Euro kosten“, sagt Ludwig Ottenbreit. Auch die Essens- und Getränkeversorgung spiele für den Buchungspreis eine große Rolle – je nachdem, ob die Veranstalter nur Wasser und Kräutertee im Angebot haben oder die beliebten, aber eben auch teuren Softdrinks.

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