Zeitung Heute : Von wegen Saus und Braus

Wie war das eigentlich, Heiligabend bei Königs? Sonderführungen im Schloss Charlottenburg geben einen Einblick in die Bräuche der Hohenzollern

Wie schön muss das Kerzenlicht in den Spiegeln gefunkelt haben! Wie schön muss Weihnachten bei den Hohenzollern gewesen sein! Oder hat man bei Königs gar nicht so gefeiert, wie wir uns das vorstellen? Während des Weihnachtsmarktes ist Gelegenheit, das zu erfahren. Die Schlösserstiftung bietet Sonderführungen durch das Schloss Charlottenburg an und bringt den Besuchern die Bräuche der Monarchen näher, mit Zitaten, Tagebucheinträgen und Bildern.

„Spezielle Weihnachtsgeschenke gab es bei den Hohenzollern nicht“, sagt Schlossbereichsleiter Rudolf Scharmann, der persönlich durch die Räume führen wird. „Man schenkte sich zum Beispiel keine Tischdecken mit Weihnachtsmotiven darauf.“ Sondern Dinge, die nützlich waren: Stoffe, Silberteller, Kaminbesteck – aber auch Geld. „Die Familienmitglieder waren vom Herrscher abhängig, sie lebten eingeschränkt, jeder Kauf musste von ihm genehmigt werden“, sagt Scharmann. In Saus und Braus fand die Bescherung jedenfalls nicht statt. Von Friedrich dem Großen sind Geschenklisten überliefert: Man weiß, dass er seine Geschwister bedachte. „Aber es ist nicht überliefert, dass er auch mit ihnen zusammen Heiligabend gefeiert hat“, sagt Scharmann.

Weihnachten zu feiern, wie wir es heute kennen, im Kreis der Verwandten und Freunde, mit Baum, gutem Essen und Kirchgang, das ist eine Erfindung bürgerlicher Großfamilien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Hohenzollern haben es ihnen gleich gemacht. Wilhelm II., der letzte deutsche Kaiser und König von Preußen, pflegte mit seiner Familie im Muschelsaal des Neuen Palais in Potsdam zu feiern. Jedes Kind, die Tochter und sechs Söhne, bekam einen eigenen Christbaum – entsprechend der Größe des Kindes. Unter den Zweigen lagen die Geschenke.

Von welch festlichen Tafeln die Hohenzollern gespeist haben, ist vom 18. Dezember an auch in einer ständigen Ausstellung zu sehen. Dann macht die Schlösserstiftung den Kronschatz und die Silberkammer wieder für die Öffentlichkeit zugänglich, nachdem die Ausstellungsräume zwei Jahre lang wegen Sanierungsarbeiten geschlossen und die Schätze in andere Schlösser ausgelagert waren.

Etwa 600 Exponate werden präsentiert, darunter der preußische Kronschatz und die Tabatieren Friedrichs des Großen. Diese goldgefassten Tabakdosen aus Halbedelstein musste der sonst dem übermäßigen Luxus abgeneigte Herrscher immer um sich haben. Rund hundert Service in unterschiedlichsten Farben und Formen zeugen davon, wie schön man am Hofe die Tafel gedeckt hat. Darunter befindet sich auch das sogenannte Berliner Kronprinzensilber, ein fast 1000-teiliges Silberservice, das das Kronprinzenpaar Wilhelm und Cecilie als Hochzeitsgeschenk preußischer Städte erhalten hatte.

Die Führung „Weihnachten im Hohenzollernhaus“ mit Rudolf Scharmann findet statt am Dienstag, 30. November, sowie am 8., 14. und 21. Dezember, jeweils um 14 Uhr. Die Tour wird außerdem für Gruppen in verschiedenen Sprachen angeboten. Buchungen nimmt die Schlösserstiftung in Potsdam entgegen, unter 0331/9 69 42 00. Die Führung „Bescherung im Schloss“ richtet sich vor allem an Familien; sie findet statt am Sonntag, 19., und Mittwoch, 29. Dezember, jeweils um 15 Uhr. Anna Pataczek

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben