Zeitung Heute : Von Wohneinheiten, Ersatzquartieren und Plastikstühlen

Wohneinheiten. Ein Appartement, das im Katalog als "Wohneinheit" beschrieben wird, muss über zusammenhängende Räume und einen gemeinsamen Eingang verfügen. Findet eine Reisegruppe, die gemeinsam Urlaub machen möchte, am Ferienort eine Hauptwohnung und ein getrennt zu begehendes Appartement vor, liegt darin ein Reisemangel. Das berichtet die von der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht in Frankfurt herausgegebene Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" unter Berufung auf ein Urteil des Landgerichtes Frankfurt am Main (Aktenzeichen: 2 / 24 O 371 / 94). In dem verhandelten Fall wurde den Urlaubern sogar ein Kündigungsrecht wegen eines mängelbedingten Minderungswertes von 60 Prozent zugestanden. Die Ferienwohnung zeigte zusätzlich Verfallserscheinungen wie durchgerostete Poolgeländer, abgefaulte Fenster und eine unreine Küche.

Ersatzquartier. Bucht ein Reiseveranstalter einen Kunden mit dessen Einverständnis vier Tage vor Abreise in ein anderes als das ursprünglich gewählte Hotel um, verliert der Urlauber trotz seiner Zustimmung nicht sein Recht auf Minderung des Reisepreises: 15 Prozent sind gerechtfertigt. Das zeigt ein Urteil des Amtsgericht Kleve (Aktenzeichen 28 C 318 / 99). Der Betroffene - so die Richter - müsse in der Kürze der Zeit und den längst angelaufenen Reisevorbereitungen fast zwangsläufig zustimmen, um seine Ferien sicherzustellen. So sei sein Einverständnis lediglich die Einwilligung zur Abhilfemaßnahme des Reiseveranstalters, jedoch kein Einverständnis zur Änderung des Vertrages.

Plastikstühle. Stühle und Tische aus Plastik sind in einem Hotelrestaurant als Reisemangel anzusehen, wenn der Reiseveranstalter ein "rustikales Restaurant" versprochen hat. Dies geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil des Amtsgerichts Köln hervor (Aktenzeichen: 135 C 422 / 99). Der Richter sprach einem Mexiko-Touristen einen Anspruch auf Preisminderung zu. Mit einem rustikalen Restaurant vertragen sich keine Plastikmöbel, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Amtsrichter sprach dem Touristen auch einen Anspruch auf Minderung des Preises wegen lauten Discotheken-Lärms bis tief in die Nacht am Strand zu. Dazu passe nicht das Versprechen eines "beschaulichen Strandurlaubs" im Prospekt. Dem Urteil zufolge kann der Mexiko-Tourist den Reisepreis auch deshalb mindern, weil er in seinem Hotelzimmer angesichts eines fehlenden Kleiderschranks aus dem Koffer leben musste. Insgesamt muss der Reiseveranstalter 1173,20 Mark nebst vier Prozent Jahreszinsen und damit 20 Prozent des Reisepreises an den Touristen zurückzahlen.

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