Vor dem Parteitag : Purpur - eine neue Farbe für die SPD

Sie soll für Frische und Selbstbewusstsein stehen, begeistert aber nicht jeden.

„Lila ist die Kuh, nicht die SPD.“
Ein User auf der Diskussionsseite der SPD-Homepage macht aus seiner Abneigung gegen die neue Farbe, die den SPD-Parteitag zieren soll, keinen Hehl. Dabei offenbart er freilich eine leichte Farbblindheit, denn nicht mit Lila, sondern mit Purpur schmückt sich neuerdings die Partei. Und das klingt doch gleich ganz anders: In Purpurmänteln wandelten Kaiser und Könige, Päpste und Kardinäle. Purpur ist die Farbe der Märchen – nein, das ist vielleicht keine so günstige Assoziation. Dann lieber die Deutung von Generalsekretärin Andrea Nahles: Die neue und moderne Sekundär-Farbe „Purpur“ stehe für Frische und Selbstbewusstsein, meint sie. Was als Farbton in der Geschichte für eine emanzipierte Frauenbewegung oder im liturgischen Gebrauch für Buße steht, kann für eine sich derzeit in der Opposition befindliche Volkspartei nicht falsch sein.
Andere Quellen sagen allerdings anderes. Da steht Purpur als eine Art veredeltes Violett für Noblesse und Würde. Damit kann die Partei zweifellos noch leben. Schwieriger wird es bei den der Farbe unterstellten Symboliken für Mystik und Spiritualität,Bedenklich wird es bei der FeststellungThese, dass von der Farbe aphrodisierende Wirkung ausgehe. Man wagt sich deren Entfaltung auf dem SPD-Parteitag kaum vorzustellen. Und auch die Assoziation zur früheren Farbe der Schlafwagen ist nicht gerade schmeichelhaft – wenngleich auch Diesellokomotiven und Speisewagen bis Mitte der 70er Jahre ebenfalls den purpurnen Anstrich trugen.
Wer der Farbe buchstäblich auf den Grund gehen will, muss ins Mittelmeer eintauchen. Die dort lebenden Purpurschnecken sondern in ihrer Hypobronchialdrüse eine gelbliche Flüssigkeit ab, die eine Vorstufe des Farbstoffes 6,6-Dibromindigo enthält. Daraus wiederumlassen sich unterschiedlichste Violett-Töne, also auch das SPD-Purpur, herstellen.
Dass sich diese Farbe zwischen Rot und Blau bewegt, stellt unsfreilich hinsichtlich der Koalitionssymbolik eine schier unlösbare Aufgabe: Auf welchen Partner, um Gabriels Willen, weist nundiese Kombination hin? Doch nicht etwa auf ein künftiges Bündnis mit einer noch zu gründenden Partei der Blaublütigen mit einem schwarzhaarigen Mann ohne Brille an der Spitze? sc

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