Vor Ostern : Wo ein Wille ist, ist nicht immer ein Weg

Man steht immer in der falschen Schlange. Wenn man schon vom hinteren Ladenbereich, von der Käsetheke aus, angesichts des Gedrängels an Kasse eins lautstark die „Zweite Kasse!“ gefordert hat und diese dann tatsächlich geöffnet wird und man mit dem mittelalten Gouda in der Hand zur zweiten Kasse eilt und sie voller Freude als Zweiter erreicht, dann steht da dieses Mütterlein vor einem, das den Betrag von 3,87 Euro mit zittrigen Fingern und ohne Brille passend zahlen will. Bis sie das Fünf-Cent-Stück und die beiden Ein-Cent-Stücke aus der Börse geklaubt hat und sie alle Münzen zusammen in der hohlen Hand zusammenaddiert hat, wobei ihr die kupferfarbenen und die drei Zehn-Cent-Stücke zu Boden fallen, die man ihr selbstredend in aller Hilfsbereitschaft aufhebt und in die immer noch hohle Hand zählt, bis das alles erledigt ist, hat sich die Menschenansammlung an Kasse eins längst aufgelöst. Kein Mensch steht mehr dort, und wenn man nicht so vorlaut gewesen wäre, sondern sich voller Demut eingereiht hätte in die Schlange, wäre man bereits auf dem Heimweg.

Schlangen. Sie werden sich wieder bilden, vor den Ostertagen an den Supermarktkassen, während der Ostertage auf den Autobahnen. Und ihr Wesen wird unergründlich bleiben, auch wenn Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer unlängst kundgetan hat, er wolle, dass die Osterreisewelle weitgehend ohne Störung abläuft. Wo ein Wille ist, ist in diesem Fall noch lange kein Weg frei. Es wird sein, wie es immer ist, die Wiederholung hat auch schon mit der pünktlichen Erhöhung der Spritpreise begonnen. Teil zwei des Immergleichen: Die Mineralölkonzerne erklären sich schuldlos an der Erhöhung. Haben sie bereits getan. Teil drei: Die Stauberater erheben ihr Haupt und, diesmal die vom Automobilclub von Deutschland, analysieren die Psychologie des Staus. Nebenstrecken zu benutzen, sagen die, nutzt nichts, macht jeder Zweite, und dann ist die Nebenstrecke auch verstopft. Lückenhüpfen bringt auch nichts, weil dann in der rechten Spur dieses Väterlein vor einem herfährt, muss noch nicht mal mehr einen Hut aufhaben, das die einen Kilometer lange Lücke zum Vordermann partout nicht schließen will, weil es dann rechts an der Schlange vorbeifahren müsste, es aber schon mit 51 km/h zittrige und schwitzige Finger bekommt. Die Alternative wäre die Zugreise. Wenn da nicht diese endlos langen Schlangen vor den Schaltern und Fahrkartenautomaten wären.Helmut Schümann

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