Zeitung Heute : Vorbei mit Kumpelei

2018 soll Schluss sein mit der Steinkohleförderung. Welche Folgen hat das für die Energieversorgung?

Dagmar Dehmer

Was kostet den Staat der Abbau von Steinkohle?

Spätestens 2018 soll Schluss sein mit der Subventionierung der deutschen Steinkohle. Ein Wirtschaftszweig, der seit mehr als 45 Jahren auf Subventionen angewiesen ist – und der bisher den Steuerzahler die beachtliche Summe von 130 Milliarden Euro gekostet hat. Allerdings sind die Subventionen in den vergangenen Jahren kontinuierlich reduziert worden: Erhielt der Bergbau im Jahr 2000 noch 4,35 Milliarden Euro, so wird es in diesem Jahr noch knapp die Hälfte sein. Zudem ist bereits unter der rot-grünen Bundesregierung entschieden worden, bis 2012 die Förderung auf 1,83 Milliarden Euro pro Jahr zu senken. Ohne Beihilfen hätte die deutsche Steinkohle keine Chance, weil sie zu teuer ist. Der Grund: Sie liegt zu tief in der Erde und deshalb ist ihr Abbau sehr aufwändig. Während eine Tonne Importkohle derzeit rund 60 Euro kostet, muss für eine Tonne Kohle aus heimischen Zechen etwa drei Mal so viel bezahlt werden.

In Deutschland gibt es noch acht Zechen – sieben in Nordrhein-Westfalen, eine im Saarland. Insgesamt sind dort 33 000 Bergleute beschäftigt, die im vergangenen Jahr 20,7 Millionen Tonnen Steinkohle zu Tage gefördert haben.

Wie hoch ist der Anteil der Steinkohle am Energiemix?

Steinkohle wird in Deutschland nur noch zur Erzeugung von Strom und in der Stahlproduktion verwendet. Allerdings spielt die Steinkohle bei der Stromerzeugung eine immer geringere Rolle: Wurden 1990 noch 26 Prozent des Stroms aus deutscher Steinkohle gewonnen, so waren es 2005 noch 21,8 Prozent. Etwa drei Viertel der verstromten Kohle kamen nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums aus Deutschland. Bei der Stahlproduktion hingegen wird der Großteil der eingesetzten Steinkohle importiert. Die deutschen Hüttenwerke deckten ihren Bedarf an Koks noch in den 90er Jahren fast ausschließlich aus heimischer Produktion, im Jahr 2005 nur noch zu einem Drittel. Allerdings haben die Preise für Kokskohle 2005 und 2006 stark angezogen. Dadurch wurde die deutsche Steinkohle wieder wettbewerbsfähiger. Der Grund: die steigende Nachfrage für die Stahlproduktion in China.

Wie lange lässt sich die Steinkohle abschöpfen?

Nach einer Schätzung der Deutschen Steinkohle AG, einer Tochterfirma der RAG, würde die deutsche Steinkohle noch etwa 400 Jahre reichen, wenn sie genauso eingesetzt würde wie 2005.

Gibt es in Deutschland billigere Rohstoffreserven als Steinkohle?

Derzeit ist der wichtigste deutsche Rohstoff zur Stromerzeugung die Braunkohle. Sie trug im Jahr 2005 mit 27,5 Prozent zur Stromproduktion bei. Da Braunkohle im Tagebau geschürft werden kann – in der Lausitz und in Nordrhein-Westfalen – ist die Gewinnung deutlich billiger als die von Steinkohle. Die deutschen Reserven an Erdöl und Erdgas sind nahezu erschöpft.

Eigene Energiequellen, mit denen sich Deutschland unabhängiger vom Import machen kann, sind die erneuerbaren Energien. An windreichen Standorten ist die Stromerzeugung mit Windkraft bereits nahezu wettbewerbsfähig. Im Jahr 2006 trug die Windenergie mit 30,6 Milliarden Kilowattstunden zur deutschen Stromversorgung bei, Branchenexperten sehen hier ein jährliches Wachstumspotenzial von etwa zehn Prozent. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung lag im vergangenen Jahr insgesamt bei 10,2 Prozent.

Der Anteil der Bioenergie am deutschen Energieverbrauch steigt rasant an. Dabei geht es nicht nur um die Stromversorgung, sondern auch um Heizenergie und Biokraftstoffe. Die Anteile aller drei Anwendungen stiegen von 122,6 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2005 auf 145,1 Milliarden in 2006. Damit lag der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch bei sieben Prozent.

Kann sich Deutschland den Luxus leisten, diese Energieform weiterhin zu fördern?

Deutschland ist ein reiches Land. Wenn es einen Konsens darüber gäbe, dass die Steinkohleförderung ein sinnvoller Beitrag zur Energieerzeugung wäre, könnte sich Deutschland auch weiterhin einen Luxus-Bergbau leisten. Wenn Deutschland allerdings seine Klimaziele ernst nimmt, ist die Steinkohleförderung kein besonders sinnvoller Beitrag. Noch schlechter sieht allerdings die Klimabilanz für die Braunkohle aus. Ob sich die „saubere Kohletechnologie“ wirtschaftlich durchsetzen wird – dabei wird Kohlendioxid aufgefangen und dann in ehemalige Gas- oder Erdöllagerstätten verpresst – ist eine Preisfrage. Steigt der Strompreis deutlich an, könnte diese Technologie wirtschaftlich werden. Bleibt das Preisniveau in etwa gleich, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich kleiner.

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