Zeitung Heute : „Vorbereitung ist denkbar einfach“

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Herr Hesse, was erwarten Unternehmen heute von jungen Berufseinsteigern?

In erster Linie erwarten sie die richtige Motivation. Warum möchte ich ausgerechnet diesen Beruf ergreifen? Was reizt mich an einer Ausbildung in gerade diesem Unternehmen? Darüber hinaus erwarten sie fachliche Kompetenz. Hier können die Schulzeugnisse Auskunft geben. Von großer Bedeutung ist schließlich die Persönlichkeit des Bewerbers. Eine sympathische Ausstrahlung ist hier das A und O. Auch die Kommunikationsfähigkeit ist wichtig. Wie erzählt jemand? Ist er zugeknöpft oder offenherzig?

Wie kann die Suche nach einem Ausbildungsplatz sinnvoll strukturiert werden?

Da hilft oft eine Rangliste der in Frage kommenden Berufe. Hat sich der „Traumberuf“ herauskristallisiert, sollte man überlegen: Wo möchte ich diese Ausbildung machen? Auch die Frage nach der optimalen Betriebsgröße sollte man sich stellen. Kleine Betriebe werden in der Regel praxisnäher ausbilden als Großunternehmen, letztere bieten aber unter Umständen eine breit gefächerte theoretische Ausbildung an.

Wie können sich Jugendliche auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten?

Eine gründliche Gesprächsvorbereitung ist denkbar einfach. Denn die Fragen stehen im Grunde fest. Ein Unternehmen wird die bereits angesprochenen drei Kriterien abklopfen – Motivation, fachliche Kompetenz und Persönlichkeit. Oder konkreter: Welche Vor- und Nachteile hat dieser Beruf Ihrer Meinung nach? Warum passt er zu Ihnen? Auch auf Interesse am eigenen sozialen Umfeld sollte man vorbereitet sein, auf Fragen nach Eltern, Geschwistern oder Hobbies. Und beinah selbstverständlich: Man sollte Informationen über das Unternehmen sammeln, bei dem man sich bewirbt.

Die Fragen stellte Silke Zorn.

Der Diplom-Psychologe Jürgen Hesse, vom Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader in Berlin, weiß aus langjähriger Beratungspraxis, was Unternehmen von Bewerbern erwarten.

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