Zeitung Heute : Vorerst kein Streik mehr bei der BVG

Verdi und Arbeitgeber verhandeln jetzt offiziell / Ein Streitpunkt bleibt die Verlängerung der Arbeitszeit

Klaus Kurpjuweit

Berlin - Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) wird in dieser Woche nicht mehr gestreikt; Bahnen und Busse werden fahren. Nachdem der für Dienstag angekündigte Streik in der Nacht abgesagt worden war, haben am Nachmittag die Verhandlungen zu einem neuen Tarifvertrag begonnen. Zusammenkünfte sind bis Freitag geplant. So lange herrscht Friedenspflicht, bei der nicht gestreikt werden darf. Basis für die Gespräche ist der Tarifabschluss für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes beim Bund und den Kommunen vom Montag, der eine Tariferhöhung um rund acht Prozent und längere Arbeitszeiten vorsieht.

Der bereits ausgerufene Streik war kurz nach Mitternacht von der Gewerkschaft Verdi ausgesetzt worden. Der Verkehr konnte fast planmäßig rollen. Die befürchteten Einschränkungen gab es nicht. Die BVG konnte auch den bereits organisierten Notfahrplan rechtzeitig aufheben.

Zuvor hatte es ein Treffen von Verdi- Landeschefin Susanne Stumpenhusen, Verdi-Verhandlungsführer Frank Bäsler, BVG-Chef Andreas Sturmowski und Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), der Aufsichtsratsvorsitzender der BVG ist, gegeben. Nach einem mehrstündigen Gespräch hatten sie sich auf eine Basis für die Tarifverhandlungen geeinigt. Über den Inhalt wurde Stillschweigen vereinbart.

Dem Vernehmen nach sind Sarrazin und die BVG bereit, in etwa die für den öffentlichen Dienst vereinbarte Lohnerhöhung zu übernehmen. Verdi lehnt es aber bisher ab, dann auch die Arbeitszeiten zu verlängern. Sollten sich die Tarifpartner hier jetzt in den Verhandlungen nicht einigen, kann Verdi den Streik fortsetzen. Bereits vor Ostern standen Bahnen und Busse der BVG 15 Tage still.

Schwieriger als im öffentlichen Dienst sind die Tarifverhandlungen bei der BVG, weil dort zwischen Alt- und Neubeschäftigten unterschieden wird. Wer schon vor Herbst 2005 bei dem Verkehrsbetrieb gearbeitet hat, bekommt in der Regel deutlich mehr Geld als die neu hinzugekommenen Kollegen. Sarrazin und die BVG wollen deshalb den Altbeschäftigten nur eine geringere Lohn- und Gehaltserhöhung zugestehen. Verdi dagegen verlangt, die Erhöhungen gleichmäßig zu verteilen. Bisher war die BVG nur bereit, insgesamt 20 Millionen Euro, verteilt auf zwei Jahre, für Lohnerhöhungen auszugeben. Diese Summe soll jetzt auf 24 Millionen Euro aufgestockt werden. Die BVG könnte nämlich auch sparen, wenn sich die Arbeitszeiten im Betrieb verlängern. Neubeschäftigte arbeiten derzeit 39 Stunden, Altbeschäftigte dagegen nur 36,5 Stunden.

Würde die Arbeitszeit verlängert, könnte die BVG darauf verzichten, in großem Stil Fahrer einzustellen. Allein im Busbereich fehlen nach BVG-Angaben derzeit rund 90 Fahrer – bedingt durch die Arbeitszeitverkürzung von 2005. Fahrer fehlen auch bei der U- und Straßenbahn. Nur in der Verwaltung gibt es einen Personalüberhang.

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