Zeitung Heute : Vorfahrt für Rücksichtnahme

Elisabeth Binder

Immer wieder sonntags fragen Sie

Mich stört die Unsitte von Hörfunksendern, Wortbeiträge wie Nachrichten oder Verkehrsinformationen künstlich zu raffen und Musik im Hintergrund zu spielen. Da in Deutschland etwa 16 Millionen Menschen unter Hörschäden leiden und vor allem beim Auto- fahren Fahrgeräusche hinzukommen, bleiben viele Informationen auf der Strecke.

Jeder bekommt das Publikum, auf das er hinzielt. Es sind vor allem die Sender, die sich an ein junges Publikum wenden, die Sie hier ansprechen. Da geht es natürlich darum, Werbung zu verkaufen, eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen, eben, wie Sie im weiteren Verlauf Ihres Schreibens vermuten, „jung und dynamisch“ zu wirken. Klar, dass man damit auch Hörer vergrault.

Vielleicht könnten die Quoten sogar noch höher sein, wenn man es schaffen würde, bei einem hippen Musikprogramm gleichzeitig klare verständliche Infoblocks einzublenden. Es lohnt sich nämlich nicht nur für Menschen, sondern auch für kommerzielle Institutionen, wie unter anderem Hörfunksender, Rücksicht zu nehmen. Zumal ja auch viele jüngere Menschen schon hörgeschädigt sind und gerade bei Sendern mit vielen Verkehrshinweisen darauf geachtet werden sollte, die Fahrer nicht vom Verkehr abzulenken.

Was Sie ansprechen, ist eine neue Art von Unhöflichkeit, die man auch bei E-Mails erlebt, deren Absender einen superoriginellen Auftritt anstreben, indem sie den Leser zwingen, sich durch komplizierte Anhänge zu klicken, um zu den eigentlichen Informationen zu gelangen. Damit rauben sie ihm kostbare Zeit und handeln in gleicher Weise rücksichtslos, wie die Sender, die die Ohren davon ablenken, dass sich von ferne ein Feuerwehrauto nähert.

In Zeiten von Informationsüberflutung verhält sich immer der am vorbildlichsten, der seine Informationen so aufbereitet, dass sie möglichst leicht und schnell aufgenommen werden können.

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