Zeitung Heute : Vorlesung statt After-Work-Party

Ein berufsbegleitendes Studium ist für immer mehr Arbeitnehmer in verschiedenen Branchen attraktiv. Bachelor, Master und MBA sind die renommiertesten Abschlüsse. Doch auch Lehrgänge und Zertifikatskurse sind im Angebot.

Begehrte Qualifikation. Ein Zusatzstudium steht bei Arbeitnehmern hoch im Kurs. Ein Vollstudium an einer staatlichen Uni ist allerdings schwer mit dem Beruf zu vereinbaren – Vorlesungen und Seminare finden meist tagsüber statt, die Anwesenheit ist oft Pflicht. Foto: ddp
Begehrte Qualifikation. Ein Zusatzstudium steht bei Arbeitnehmern hoch im Kurs. Ein Vollstudium an einer staatlichen Uni ist...Foto: ddp

Während die Kollegen sich auf den Weg ins Kino, zum Sport oder zur After-Work-Party machen, heißt es für sie nochmal volle Konzentration: Tausende Berufstätige bundesweit bilden sich nach Dienstschluss weiter. Ihr Ziel: Das zusätzliche Wissen soll zu einem Job mit mehr Verantwortung und besserem Gehalt führen. Rund 20 000 Weiterbildungsträger gibt es in Deutschland, schätzt die Stiftung Warentest. Jedes Jahr werden mehr als 450 000 Kurse angeboten. Ein Großteil der Berufstätigen entscheidet sich für kaufmännische Kurse. Dann folgen Weiterbildungen in technischen Berufen und im Gesundheitswesen.

Zertifikate, Bachelor oder Master: Am Ende einer Weiterbildung bekommen die Teilnehmer unterschiedliche Dokumente ausgehändigt. „Was genau der Abschluss bedeutet, ist häufig diffus“, sagt Christina Engel, Weiterbildungsexpertin bei der Stiftung Warentest. Ein Problem bei der Anerkennung bereiten die Voraussetzungen für den Abschluss. „Manche Arbeitgeber können mit dem Abschluss nur wenig anfangen, vor allem, wenn es sich um einen weniger bekannten Weiterbildungsträger handelt“, sagt Engel. Selbst der Preis sagt nichts über die Qualität des Kurses aus. Ein einheitliches Siegel für Weiterbildungsangebote gibt es nicht.

Klare Vorgaben für die Anerkennung der Abschlüsse haben die staatlichen Universitäten. Im Zuge der europäischen Hochschulreform, dem Bologna-Prozess, haben sie dafür gesorgt, dass Bachelor und Master-Abschlüsse international anerkannt werden. Sowohl an der Humboldt-Universität als auch an der Freien Universität in Berlin gibt es Angebote für Bewerber, die sich nicht direkt nach dem Abitur für ein Studium entscheiden. Sprachen, Sozialwissenschaften, BWL, Jura – das Angebot ist enorm. Das Studium dauert in der Regel zwischen vier und sechs Semester, Gebühren gibt es kaum. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, müssen sich die Studenten auf harte Bewerbungsverfahren einstellen: Sprachkenntnisse und Motivation werden genau geprüft.

Für Berufstätige scheitert es häufig an den Studienzeiten. Neben dem Job bleibt nur am Abend, am Wochenende oder im Urlaub Zeit für die Weiterbildung. Die Seminare und Vorlesungen finden aber über den ganzen Tag verteilt statt, Kompaktkurse am Wochenende sind rar – und die Anwesenheit ist meistens Pflicht.

Anders an den privaten Einrichtungen. Zu den Spezialisten in der Weiterbildung gehört die FOM, die Hochschule für Ökonomie und Management. Bundesweit bietet die FOM Kurse an, in Berlin gibt es 15 Bachelor- und Masterstudiengänge. Hier können die Teilnehmer am Abend, am Wochenende oder in Kompaktkursen studieren. Sowohl Berufstätige mit Abitur als auch mit Uni-Abschluss können sich nach dem Job weiterbilden. Die Abschlüsse finden in enger Zusammenarbeit etwa mit der Industrie- und Handelskammer statt und sind außerdem international anerkannt. Business Administration, Gesundheits- und Sozialmanagement, Steuerrecht: Die Kurse qualifizieren für die Führungsetage, die Chefs schätzen den starken Praxisbezug. Die Flexibilität hat allerdings ihren Preis: Je nach Kurs fallen Gebühren von mehreren tausend Euro an.

Während die FOM den Unterricht nach Dienstschluss anbietet, setzen Träger wie die Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW) mit Sitz in Berlin auf Fernunterricht und Online-Seminare. Präsenzphasen sind selten. „Das Studienangebot richtet sich an Menschen im Beruf“, sagt Arne Petermann, Studiengangsleiter General Management an der DUW. „Dank der Flexibilität können die Studierenden Beruf, Privatleben und Studium miteinander vereinbaren und ihre nächsten Karriereschritte planen.“

Neben Master und Bachelor bietet die DUW auch Kurse mit Hochschulzertifikaten an. Diese Angebote konzentrieren sich auf einen Baustein eines Komplettstudiums. So dauert etwa ein Marketing- oder Controllingkurs zwischen zwei und acht Monaten, Voraussetzung ist das Abitur. Wer sich danach für ein Studium entscheidet, kann sich eventuell Seminare anrechnen lassen oder muss den Stoff lediglich wiederholen. Besonders in mittelständischen und großen Firmen wird der Abschluss geschätzt.

Die Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) hat ihr Angebot auf Berufstätige und Vollzeit-Studenten ausgelegt. Während an anderen Hochschulen Freitagabend die Lichter ausgehen, herrscht hier noch Hochbetrieb. Die meisten Studierenden sind zwischen 30 und 40 Jahre und im Job voll eingespannt: Der eine kommt aus der Uni-Klinik, die andere hat noch die Umsatzzahlen an den Chef gemailt, ein dritter bespricht per Handy Details einer Präsentation. Besonders beliebt ist die Weiterbildung mit dem Abschluss Master of Business Administration (MBA). Management, Personalführung und die Optimierung von Arbeitsprozessen stehen auf dem Stundenplan, die meisten Kurse finden auf Englisch statt, viele Dozenten kommen wie die Studenten aus der Praxis. In Berlin bieten sechs private Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen den Studiengang an.

Zwar ist auch der MBA kein Jobgarant, aber in großen Firmen wird der Titel gern gesehen. „Die Chefs wissen, welche Kompetenzen der Bewerber mitbringt“, sagt Matthias Tomenendal, Direktor des IMB Institute of Management Berlin an der HWR. Weltweit wird der MBA als Abschluss anerkannt. Die Kurse kosten zwischen 10 000 und 20 000 Euro.

Im Weiterbildungsdschungel sind Bachelor, Master und MBA der Wegweiser für die Anerkennung universitärer Abschlüsse. Wer Kosten und Zeitaufwand nicht mit dem Job vereinbaren kann und sich für Lehrgänge oder Zertifikatskurse entscheidet, sollte das Angebot mit dem Arbeitgeber prüfen. Erste Anlaufstelle ist die Personalabteilung oder eine Berufsberatung bei den Verbänden und Innungen. Letztlich entscheidet der Inhalt der Weiterbildung, ob der Schritt auf der Karriereleiter zur Wirklichkeit wird.

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