• Vormittags Kongress, abends in die Clubs - ein Interview mit den Erfindern des Festivals der "jungen Medienbranche"

Zeitung Heute : Vormittags Kongress, abends in die Clubs - ein Interview mit den Erfindern des Festivals der "jungen Medienbranche"

Worum geht es bei Berlinbeta eigentlich?

Stephan Balzer und Marc Wohlrabe haben das 2. Berlinbeta-Festival organisiert, eine Multimedia-Veranstaltung mit drei Schwerpunkten: Konferenz (u.a. zum Thema Technologie im Medienbereich), Filmfest und Club-Events. Austragungsorte sind das Ludwig-Erhard-Haus in der Fasanenstraße, Kinos wie das "Central" in Mitte und das "Filmkunst 66", sowie einige Clubs.

ProSieben und der Tagesspiegel verlosen 15 Eintrittskarten für die Konferenz, mit denen man auch die Club-Events am Wochenende besuchen kann. Anfragen unter Telefon 089-95 07 11 23 oder per E-Mail .

Mit Stephan Balzer und Marc Wohlrabe sprach Helmut Merschmann.

Worum geht es bei Berlinbeta eigentlich?

BALZER: Um eine Business-to-Business-Atmosphäre für die junge, wachsende Medienbranche. Es gibt Referate und Workshops mit dem Focus auf Existenzgründung sowie den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Bei der Grundidee der Veranstaltung sind wir davon ausgegangen, dass man die Fusionen im Medienbereich, die Verschmelzungen, auch erleben muss. Das geschieht auf den abendlichen Veranstaltungen. Tagsüber sollen aktuelle Themen besprochen werden, abends kann man Geschäfte machen.

Dennoch drängt sich bei dem Berlinbeta-Programm der Eindruck eines Gemischtwarenladens auf...

BALZER: Wir sehen eine Entwicklung in einer jüngeren Industrie und bei einer jüngeren Generation von Leuten. Einzelne Unternehmen widmen sich längst nicht mehr einer einzigen Industrie, sondern werden in ihrer Form multimedial. Auch traditionelle Unternehmen wachsen in diesen Bereich hinein. Großverlage sind auf allen Feldern aktiv. Da würde man nie auf die Idee kommen, zu sagen, die hätten kein Konzept. Die würden dann antworten: Ich muss in jeder Disziplin bestimmte Services anbieten.

WOHLRABE: Dasselbe passiert auch in jungen, kleinen Unternehmen wie dem "Flyer", wo neben dem Printbereich ebenso Veranstaltungen organisiert und Agenturdienstleistungen wie Grafik- und Konzeptionsdesign übernommen werden. Wir versuchen, dies auf dem Festival wiederzugeben.

Wie ist es um Ihr Publikum bestellt? Sind es dieselben Leute, die vormittags auf den Kongress gehen und abends ins Kino und in die Clubs?

BALZER: Wir erwarten eher die junge Medienbranche. Da ist aber sicherlich auch der eine oder andere Filmfan darunter. Abends mischt sich das Business-Publikum mit den reinen Kino- und Partygängern. Denn eigentlich wird viel zu viel diskutiert, weit weg von der Realität. Das kenne ich selbst von vielen Konferenzen, wo genau dieser Teil fehlte.

Berlinbeta, erst im zweiten Jahr, tritt reichlich selbstbewusst auf und versteht sich bereits als "Schlüsselveranstaltung der Medienbranche"... .

WOHLRABE: Das Feld, das wir besetzen möchten, resultiert aus den Medienfusionen, den neuen kreativen Impulsen und den Änderungen in dieser Stadt. Wir wollen dem eine Plattform bieten, eine Versammlungsfläche, die bislang fehlte.

Wodurch grenzen Sie sich zu anderen Veranstaltungen wie dem Medienforum, der IFA oder der Transmediale ab?

WOHLRABE: Die Berlinale ist eine filmkunstgeprägte Veranstaltung, die Funkausstellung eine Hardware-Messe, das Medienforum behandelt klassische Themen wie Rundfunkrecht und Telekommunikation. Es gibt aber keine Veranstaltung, die sich an jüngere, kleine Unternehmen wendet. Im Gegensatz zur Transmediale sind wir wiederum wirtschaftlich ausgerichtet und wenden uns an Leute, die Finanzierungen suchen, sich als Unternehmen verstehen, an den Nachwuchs.

Sie fordern eine "Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen". Wie soll das aussehen?

BALZER: Viele Unternehmen, die in den letzten Jahren groß geworden sind, hätten dies in unserer starren Arbeitskultur eigentlich gar nicht so schnell schaffen können. Da gibt es Dinge, die man verändern muss. Stichwort: Scheinselbstständigkeit. Auch bei der Ausbildung wurden die letzten fünfzehn Jahren verschlafen. Da hat ganz klar die Regierung versagt, hat Impulse nicht aufgenommen. Die maßgeblichen Trends kommen aus den USA, wo das Silicon Valley ganz anders gepuscht wurde, wo ganz andere Kapitalstrukturen vorherrschen. Jetzt gibt es dort zu wenig fähige IT-Kräfte, und die Amerikaner wollen schon mit Green Cards locken.

Die neuen Medien operieren an der Schnittstelle von Kultur und Wirtschaft. Sie haben im Programmheft dafür den Begriff "Kulturindustrie" reklamiert. Betreiben Sie nicht Kommerzialisierung von Kultur?

BALZER: Ich habe damit kein Problem. Wir glauben, dass Kultur auch ein Wirtschaftsfaktor ist, von der Subkultur bis zur Hochkultur, der von den Behörden landesweit aber völlig unterschätzt wird. Das zeigen Veranstaltungen wie die Kölner Popkomm oder die Loveparade, die ohne Subventionen bestehen können.

WOHLRABE: Kommerzialisierung muss nicht gleichzeitig bedeuten, dass ein Produkt schlechter wird.

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