Zeitung Heute : Vorrang für die Radler

Der Tagesspiegel

Das Regierungsviertel soll fahrradfreundlicher werden – für Mitarbeiter des Bundes, aber auch für Berliner, die dort unterwegs sind. Was dafür erforderlich ist, wird jetzt untersucht. Obwohl die Radfahrpolitik nicht zu den Aufgaben des Bundes gehört, unterstützt das Bundesverkehrsministerium die Erstellung der Analyse mit rund 50000 Euro. Von dem Berliner Modellprojekt sollen später auch andere Städte profitieren.

Der zu untersuchende Bereich erstreckt sich im Westen bis etwa zum Großen Stern und dem Innenministerium in Moabit, im Norden bis zur Invalidenstraße mit dem Verkehrs- und dem Wirtschaftsministerium, im Osten bis zum Alex, wo das Umweltministerium residiert und im Süden bis zum Anhalter Bahnhof, in dessen Nähe das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit angesiedelt ist. Dabei gehe es um keine Sonderrechte für Mitarbeiter der Ministerien, heißt es im Verkehrsministerium. Ziel sei es, das Radfahren in diesem überschaubaren Bereich für alle attraktiver zu machen. Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und Radbeauftragte des Senats, Michael Föge, erhofft sich von der Untersuchung neue, aussagekräftige Zahlen.

Der Anteil der Radfahrer am Verkehr liegt in Berlin mit knapp 10 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, der 12 Prozent beträgt. Weit weg ist Berlin von Werten wie in Erlangen oder Münster, wo etwa 40 Prozent der Wege auf dem Rad zurückgelegt werden. Auch in Bonn war der Anteil der Radfahrer am Verkehr höher als in Berlin, was das Verkehrsministerium mitbewogen hat, das Modellprojekt zu fördern. Die Berliner Planer mussten davon erst überzeugt werden. Sie hielten zunächst das von ihnen entwickelte Veloroutennetz für ausreichend. Es sieht vom Schlossplatz aus in Mitte zwölf Routen vor, die meist aber noch nicht ausgebaut sind. Im Zentrum soll das Netz aber engmaschiger werden.

Ende 2002 sollen die Gutachter ihre Empfehlungen zum fahrradfreundlichen Regierungsviertel vorlegen. Wenn sie weitere Bauten – neue Radwege oder Streifen auf der Fahrbahn,oder auch andere Ampelschaltungen – vorschlagen sollten, wäre wieder der Senat gefordert. Berlin bleibt auch im Regierungsviertel der so genannte Baulastträger, der die Arbeiten finanzieren müsste.

Trotz der leeren Kassen sind in diesem Jahr für den Ausbau der Radwege fünf Millionen Euro vorgesehen. Gefördert werden unter anderem der Radweg entlang dem ehemaligen Mauerstreifen und der Radfernweg Berlin–Usedom. Im nächsten Jahr soll es die fünf Millionen Euro ausschließlich für die innerstädtischen Routen - und damit möglicherweise auch für das fahrradfreundliche Regierungsviertel – geben. kt

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar