Zeitung Heute : „Vorsicht bei kostenlosen Offerten“ Geva-Institut-Chef Bruns über Testfinanzierung

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Herr Bruns, das Interesse an berufsbezogen Persönlichkeitstest ist groß – und nimmt offensichtlich zu. Jedenfalls wächst die Zahl der OnlineTests. Wozu nutzt dem Einzelnen die Analyse seiner Stärken und Schwächen eigentlich?

Persönlichkeitstests zur Selbstauswertung können der eigenen Standortbestimmung und auch der beruflichen Orientierung dienen. Es kann schon sehr nützlich sein, hin und wieder zu überprüfen, wohin die weitere Reise im Beruf gehen soll. Die Aufgaben verändern sich ja – und auf einmal ist man als bester Sachbearbeiter zum Teamleiter geworden. Mit einem Persönlichkeitstest kann man durchaus Anhaltspunkte dafür gewinnen, warum man in dieser Rolle Schwierigkeiten hat.

Aber was nutzt die Erkenntnis, wenn man sie nicht umzusetzen versteht? Ein Persönlichkeitstest liefert doch kein Methodenwissen zur Verhaltensänderung.

Das ist auch nicht der Anspruch. Die Möglichkeiten eines Tests zur Selbstauswertung sind begrenzt. Aber immerhin kann eine Stärken-Schwächen-Analyse die Grundlage dafür liefern, selbstkritisch hinter die eigene Fassade zu schauen. Vorausgesetzt, man hat ehrlich geantwortet. In einem weiteren Schritt ist sogar eine Fremdanalyse möglich. Jemand, mit dem man zusammenarbeitet oder der einen sonst gut kennt, könnte den Fragebogen ebenfalls ausfüllen – aus seiner Perspektive. Die Diskrepanz in den Antworten liefert viel Stoff zum Nachdenken über sich selbst. Und sie kann auch die Grundlage für ein Jobcoaching liefern. In diesem Fall würde man mit einem Berater, der über das notwendige Methodenwissen verfügt, über mögliche Verhaltensänderungen sprechen.

Ihr Institut verlangt 38 Euro plus Versandkosten, andere Testanbieter werten die Fragebögen kostenlos aus. Muss ich daraus auf die Qualität schließen?

Grundsätzlich sollte man sich schon darüber informieren, wer den Fragebogen entwickelt hat. Weitere wichtige Fragen sind: Gibt es eine Musterauswertung, wie gut ist die Beschreibung vom Nutzen des Tests und nicht zuletzt: Warum ist der Test kostenlos? Möglicherweise werden die Kosten durch den Weiterverkauf der Adressen oder Personalvermittlungsgeschäfte abgedeckt. Da sollte man sich schon fragen, ob man das will.

Die Fragen stellte Christine Schreiber.

GERHARD BRUNS (44). Der diplomierte Psychologe ist Geschäftsführer des Geva-Instituts in München, das diverse Tests zur beruflichen Orientierung oder Veränderung anbietet.

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