Zeitung Heute : Vorsicht, brisant!

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Was wird heute wichtig?

Er ist ein Einzelgänger mit einer Mission. Den Mainstrean verachtet er. Das Hollywoodbrimborium braucht er nicht. Stattdessen zieht er, wie man so schön sagt, sein Ding durch. Und er hat Erfolg damit, riesigen Erfolg. Wer ist gemeint? Mel Gibson mit seinem Film „The Passion of the Christ“? Nein, heute beherrscht ein anderer USRegisseur die cineastischen Schlagzeilen: Michael Moore mit seiner Politpolemik „Fahrenheit 9/11“ . Der Vorverkauf läuft auf Hochtouren. Alle abendlichen TV-Magazinsendungen berichteten über die Premiere. Inzwischen muss man, wie es bei Gibsons Kreuzigungsepos der Fall war, den Film gesehen haben, um im kulturellen Diskurs nicht abseits zu stehen. Gibson liebt Jesus, Moore hasst Bush. Beide tragen ihre Gefühle offen zur Schau. Das macht sie sympathisch, angreifbar, kontrovers. Ihre Filme entfachen bereits im Vorfeld Streit. Das steigert das Interesse. Filmverleihfirmen haben Skrupel. Das drückt den Produkten der Überzeugungstäter den „Vorsicht, brisant!“-Stempel auf. Mit filmischen Maßstäben allein wird man dieser Art Kultur nicht gerecht. Sie erfüllt ein Bedürfnis. Und „Fahrenheit 9/11“ bedient den Glauben an das Böse nicht minder als „The Passion“. Das politisch Böse äußert sich nur anders, nämlich in Gier, Machtwille, Ölinteressen, Waffenverkäufen, Kumpanei, Geheimniskrämerei. Gibson und Moore sind sich verblüffend ähnlich. Ihre Filme sind raffiniert inszenierte, subtile Agitationswerke, die sich ins Gewand historischer Dokumentation hüllen. Gibson hat seinen Hype gehabt. Jetzt steht Amerika der Riesenrummel um Moore bevor. Wieder wird es Pro- und Contra-Demos geben, leidenschaftlich werden sich Verehrer und Verächter in den Haaren liegen. Und wieder wird der Streit gesellschaftlich signifikanter sein als das Werk selbst. mal

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