Zeitung Heute : Vorsicht, Essen

Paul Janositz

Drei Bauernhöfe in NRW wurden mit dioxinverseuchtem Futter beliefert und deshalb geschlossen. Wie gefährlich wären verseuchte Nahrungsmittel?

„Dioxin im Tierfutter nachgewiesen“ – immer wieder gibt es solche Meldungen, die Angst auslösen. Jetzt wurden in Belgien, den Niederlanden und auch in Nordrhein-Westfalen Bauernhöfe gesperrt, weil sie mit verseuchtem Tierfutter beliefert wurden. Das Gift wurde in Kartoffelschalen gefunden, die ein niederländischer Hersteller von Pommes frites verkauft hatte. Anscheinend wurden Kartoffelreste mit einer Lösung behandelt, die Kaolin-Ton enthielt. Dieser natürlich vorkommende Ton ist mit Dioxin belastet.

Wie gefährlich Dioxin sein kann, zeigte sich 1976 bei der Explosion einer Chemiefabrik im italienischen Seveso. Hautausschläge, Chlorakne und Verätzungen wurden registriert. 28 Jahre danach sind jedoch keine bleibenden Gesundheitsschäden zu bilanzieren. Doch wie wirkt sich die lang dauernde Aufnahme kleiner Mengen von Dioxin durch Lebensmittel aus? Diskutiert werden Effekte auf das Immunsystem sowie hormonähnliche Wirkungen, die die Schilddrüse, die Spermienzahl oder die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen. Ob Dioxine auch Krebs auslösen können, ist ungeklärt.

Zur Vorsorge muss die Menge an Dioxin, die in die Umwelt gelangt, so klein wie möglich gehalten werden. Dioxin entsteht bei Verbrennungsprozessen, bei der Müllverbrennung aber auch in der Natur bei Waldbränden oder Gewittern. In Mitteleuropa findet sich etwa ein Picogramm (billionstel Gramm) Dioxin pro Gramm Vegetation. Die in die Umwelt gelangten Gifte reichern sich im Gewebe von Menschen und Tieren an. Denn Spuren von Dioxin finden sich auch in Lebensmitteln und Tierfutter. Von der EU-Kommission wurden für alle Mitgliedstaaten verbindliche Höchstwerte festgelegt. Bei Futtermitteln „pflanzlichen Ursprungs“ beträgt der Wert 0,5 Picogramm Dioxin pro Gramm Futtermittel, bei Lebensmitteln liegt er niedriger, sagt Professor Bert Schlatterer. „Dabei haben die Werte einen hundert- bis tausendfachen Sicherheitszuschlag.“

Lebensmittelaufsichtsämter kontrollieren ständig den Dioxin-Gehalt. Wer kurzfristig belastete Lebensmittel verzehrt habe, brauche sich keine Sorgen zu machen, da die insgesamt aufgenommene Menge nur sehr gering sein könne und keine Gefahr für die Gesundheit darstelle, sagt Schlatterer.

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