Zeitung Heute : Vorsicht! Glas!

Fotovoltaik-Anlagen sollten versichert werden

Am Boden sollten Solaranlagen gut gegen Diebstahl geschützt werden. Foto: AFP
Am Boden sollten Solaranlagen gut gegen Diebstahl geschützt werden. Foto: AFPFoto: AFP

Das Familienauto würde niemand unversichert vor der Tür stehen lassen – und die Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach des Einfamilienhauses, die genauso viel gekostet hat? In der deutschen Versicherungswirtschaft hat sich inzwischen ein eigener Zweig für die Absicherung der Investitionen für erneuerbare Energien entwickelt. Wer will, kann sein Solardach unter eine Allgefahrendeckung stellen. Denn die normale Hausratsversicherung greift erst auf der Etage unter dem Dach, auch in den üblichen Gebäudeversicherungen steht nichts von Fotovoltaik.

Es kommt an Gefahren einiges zusammen: Feuerschäden, Blitz- und Hagelschlag, auch Vandalismus-Schäden, etwa durch Farbbeutelwürfe. Hohe Schneelasten, Tierverbiss und Diebstahl. Ganze Fotovoltaik-Plantagen wurden schon geplündert, auch Anlagen von Hausdächern wurden deportiert.

Und es kommt noch etwas hinzu – Christian Diedrich aus dem Vorstand der Versicherungsgruppe Ergo umschreibt es mit viel diplomatischem Geschick. Mit dem rasanten Wachstum der Solarbranche, das nach dem Unglück von Fukushima noch zugenommen habe, „ist nicht automatisch eine Qualitätssteigerung verbunden, zumal immer neue Hersteller auf den Markt drängen. Darüber hinaus werden Fotovoltaik-Anlagen auch von Nicht-Fachleuten geplant und montiert.“ Diese Herstellungs- und Ausführungsmängel sind inzwischen nicht nur bei den Versicherungen reichlich aktenkundig, auch die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen kennen das Thema als Gerichtsgutachter nur zu gut.

Für viele Solarstrom-Module gibt es zwar die Zusicherung, im Rahmen der Garantie seien Umtausch oder Reparatur jahrelang möglich. Doch unklare Formulierungen im Kleingedruckten erschwerten es den Kunden zum Teil, die Leistungsgarantien in Anspruch zu nehmen, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Grundsätzlich hat der Käufer zwei Jahre lang einen gesetzlichen Gewährleistungsanspruch auf fehlerfrei gelieferte Ware. Treten in dieser Zeit Mängel auf, muss der Verkäufer – in der Regel der Installateur – die Reparatur oder den Austausch veranlassen. Eine Garantie wird vom Hersteller freiwillig eingeräumt – und dieser könne daher die Bedingungen auch weitgehend selbst festlegen, erläutert die Verbraucherzentrale. Viele Solarmodul-Hersteller würden für Material- und Verarbeitungsfehler eine Produkt- Garantie von bis zu zehn Jahren gewähren sowie häufig eine garantierte Leistung ihrer Solarmodule über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren versprechen. In einigen Fällen sei die Durchsetzung dieser Ansprüche aber eingeschränkt, da im Kleingedruckten ungenaue Angaben zum Garantieausschluss stünden und es nur kurze Fristen zur Anzeige der Mängel oder einen Gerichtsstand im Ausland gebe. Daher ist ein spezieller Versicherungsschutz anzuraten – gegen Ertragseinbußen. Da die Solaranlagen im Allgemeinen über die Einspeisevergütung für Erneuerbare Energien finanziert werden, kann ein Ertragsausfall den Geschädigten doppelt treffen. Die Versicherungsprämien für Fotovoltaik-Anlagen, wie sie auf Privathäusern installiert werden, kosten in der Regel zwischen 70 und 80 Euro; je nach Versicherungsumfang und Selbstbehalt gibt es aber auch Tarife schon ab 45 Euro und jenseits von 150 Euro im Jahr. Wird ein Gebäude gewerblich genutzt, erhöhen sich die Prämien deutlich. Für reine Holzhäuser oder reetgedeckte Gebäude findet sich nur schwer ein williger Versicherer. Dafür gibt es bei einigen Assekuranzen etwas, was sich jeder Urlauber wünscht – quasi die Sonnengarantie. Förmlich gesagt eine Minderertragsversicherung, die einspringt, wenn der erwartete Jahresenergieertrag wegen geringerer Globalstrahlung nicht erreicht wird.

Fotovoltaik-Versicherungen haben inzwischen alle Konzerne von Axa bis Zürich Versicherungen im Programm, daneben gibt es auch Spezialanbieter. Übersichten, Vergleiche und Tarifrechner bieten einige Webangebote im Internet, besonders gut gefallen hat www.rosa-photovoltaik.de, mit der Unterseite /photovoltaik-versicherung-vergleich-pvforum/. Hier findet sich ein Vergleichsangebot eines Versicherungsmaklers.

Die Versicherungsgruppe Ergo lässt es nicht bei dem Versicherungsangebot bewenden, sondern rät auch zur Vorbeugung, vor allem gegen Diebstähle – da weiß man inzwischen aus den Schadensfällen, um was es geht. Vorstand Dietrich nennt vor allem die Bodenanlagen gefährdet, aber auch gut erreichbare und schlecht einsehbare Fotovoltaik-Dachflächen sind schon geplündert worden. Hier sollten mechanische Sicherungen erreichtet werden, die das Lösen von Anlagenteilen nur mit Spezialwerkzeugen ermöglichten. Eine andere Schutzmethode sei das Verkleben der Module. Große Anlagen, vor allem außerhalb von Siedlungsflächen, sollten mit Zaunanlagen, Lichtschranken und Überwachungsanlagen gesichert werden. Besonders unbestechlich sind GPS-Bodendetektionssysteme, die ganze Freifeldanlagen überwachen können. kdv (mit dpa)

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar